Butoh is back

Die Steirische Kulturinitiave präsentierte unter dem Titel „Performance heute?“ Aufführungen der Butoh-Künstler Kei Shirasaka und Moe Yamamoto sowie von Yumiko Yoshioka

Performance Heute?, Kristallwerk und Dom im Berg, 24. bis 30. 08.2007.

Unter dem Titel „Performance heute?“ gab es zur Freude vieler in Graz wieder einmal Butoh zu erleben - war es doch in den letzten Jahren ein wenig stiller geworden für Grazer Liebhaber dieser Tanzart. Bereits 1995 war die erste österreichische Butoh-Produktion als Tanzlabor in dieser Stadt zu sehen (seit damals veranstaltet von der Steirischen Kulturinitiative) und es folgten Jahre hindurch zahlreiche weitere: Gastspiele, Koproduktionen, Workshops. 2003 erschien das von der Steirischen Kulturinitiative herausgegebene Buch BUTOH, KLÄRENDE REBELLION mit Texten, Gesprächen und Schwarz-Weiß Fotografien. Die Uraufführung 2005 von HENSHIN, einer Interpretation von Kafkas Verwandlung (mit Kanazawa Butoh Kan und Theater Asou) war ein Höhepunkt und nicht nur in Graz ein Erfolg; die Produktion wurde auch in Japan sowie bei einem Festival in Rumänien gezeigt.
Und nun, Ende August 2007, also wieder ein Programmangebot zu dieser nach wie vor besonders verschlüsselten Ausdrucksform; eines in zwei Teilen, sowohl zeitlich wie auch räumlich getrennt; wobei, dies kurz vorweg, die angekündigte Klammer der kunsttheoretischen wie auch inhaltlichen Art („Zwei sehr verschiedene Kunstprojekte im sozialen Kontext stehen hinter der Frage nach den Möglichkeiten von Performing Arts….“) sich nicht nur der Verfasserin dieser Zeilen kaum erschloss.

Synchron
Schön war es, die beiden Künstler Kei Shirasaka und Moe Yamamoto (Regie und Choreografie) auch wieder auf der Bühne zu sehen - ungeachtet der Tatsache, dass „Synchron“ nicht ihr bester Auftritt war.
Sie (wieder) zu erleben, die nach wie vor mit der ihnen eigenen, eigenwilligen Kraft mit dem in der Öffentlichkeit zumeist Ausgesparten be- und aufrühren und mit minimaler Gestik ins Innere des Rezipienten gelangen - an zumeist diesem selbst verborgene oder aber von und vor ihm selbst gut versteckte Orte.
Sie, die beiden Künstler - in Zusammenarbeit mit ihren für dieses Projekt ausgewählten TänzerInnen, mit der Musik von Bernhard Weiss und mit der Videoarbeit von Arian Andiel.
Doch, es war eine weitgehend stimmige, wenn auch - die beeindruckende, geradezu poetisch-philosophische Anfangsszene ausgenommen - nicht besonders nachhaltige Produktion, die da geboten und der applaudiert wurde.
Selbstverständlich mit dem Wissen, dass die als Corps de Ballet agierenden EuropäerInnen keiner fixen Gruppe angehören, vielmehr durch Casting zusammengekommen waren und entsprechend unterschiedliche tänzerische Voraussetzungen mitbrachten- aber sehr wohl, innerhalb von drei Wochen und einem täglichen Training (Sonntage ausgenommen) von jeweils 7 Stunden, Beachtliches erarbeitet hatten.
Die im Programm erläuterten Ziele der Visualisierung innerster Wünsche einerseits und der der vorbehaltlosen Hingabe an ein Tun andererseits sind auf dieser Basis, vor diesem Hintergrund verständlicherweise nur als Andeutungen zu erreichen.

SU-i, Mobile Schläfer
Viel Technik um (fast) nichts, könnte man bei der Arbeit von Yumiko Yoshioka sagen.
Das Konzept scheint schlüssig und viel versprechend für den „Terror in der Mitte unseres Lebens“ zu stehen: zusammengeschweißte, unter Druck stehende Stahlbehälter, „Tellerminen“, deren Ventile und Düsen bedrohlich-zerstörerische Potentiale suggerieren; und ein Mensch, der mit ihnen sein Spiel treibt - übermütig, tänzelnd, mit Lust.
Allein, so großartig der hohe Raum - und die Ausstattung - im Dom im Berg eine verunsichernde atmosphärische „Vorbereitung“ der Zuseher bewirken: die Tänzerin Yumiko Yoshioka kann den ausgelegten Faden nicht aufnehmen, geschweige denn spannen. Ihre Bewegungen haben weder das Flair eines zeitgenössischen Hexentanzes noch das einer verführerischen Frau, die mit dem Feuer spielt.
Bei allem, was dieser Produktion an Vorschusslorbeeren vorauseilte und bei aller Offenheit für Veränderungen/Entwicklungen/Ausweitungen Butoh betreffend: da fehlt es einer hochaktuellen Idee an der entsprechenden Choreographie und der tänzerisch-darstellerischen Umsetzung.

Eveline Koberg

Online am: 11.09.2007, © www.tanz.at