Der Tod zu Gast bei den Salzburger Festspielen

Jan Fabre gelingt der Spagat zwischen Oberflächenglanz und künstlerischer Eindringlichkeit

Requiem für eine Metamorphose, Salzburger Festspiele, 28.08.2007.

Jan Fabre ist in Salzburg angekommen. Nach den vielen Buhs für Pina Bauschs Gastspiel mit dem Tanztheater-Klassiker „Nelken“ bei den Salzburger Festspielen 2005 mag die Akzeptanz für das Werk des flämischen Universalkünstlers nur zwei Jahre darauf überraschen. Doch Fabre ist dem Salzburger Festspielpublikum zumindest als Bildender Künstler durch Ausstellungen in der für sein Schaffen so engagierten Galerie Mario Mauroner längst vertraut, sein Bekanntheitsgrad größer als in Wien.
Mit „Requiem für eine Metamorphose“, kurioserweise ins Salzburger Opernprogramm eingegliedert, gelingt Fabre und den herausragenden Performern seiner Antwerpener Compagnie „Troubleyn“ der Spagat zwischen Oberflächenglanz und ernsthafter künstlerischer Auseinandersetzung mit dem in Salzburgs Kunst häufig präsenten Tod trotz mancher Längen im Stück sehr eindrucksvoll.
38 000 Schnittblumen in Verbindung mit spärlichen Requisiten verleihen der Felsenreitschule nicht zuletzt durch den Geruch eine Friedhofs-Atmosphäre, wie sie diese legendäre Spielstätte noch nie gesehen hat. Was für ein Kontrast zum Glamour-Salzburg der sich selbst feiernden Party-Gesellschaft. Fabre reißt das Publikum mit seiner Arbeit aus seiner Lethargie über das bloß Schön-Geistige durchaus heraus. Die „schöne Leich'“ kommt an.
Dass dies weniger intensiv ausfällt als in vielen seiner intimeren Performances liegt zum Teil an der Distanz, die ein so großer Schauplatz mit sich bringt. Zum anderen Teil aber auch an der zu monoton ausgefallenen, auf Heavy Metal Rock und Synthesizergeräuschen aufbauenden Musik von Serge Verstockt.
In 8 Stationen, der theologischen Requiem-Tradition vom Introitus bis zum Lux Eterna folgend, stellt Fabre mannigfache Bezüge zu Tod und Sterben her. Vom Tod seiner Eltern spannt sich der Totentanz über Mord (etwa an John Lennon), AIDS, Tsunami, Terror, Hinrichtungen bis zum Organhandel mit Delinquenten in China. Daneben stellt Fabre auch Menschen auf die Bühne, die beruflich mit dem Tod zu tun haben. Dabei sind die Körpersprache und die Bilder, die er findet und aus früheren Arbeiten zitiert, wesentlich dichter als sein zuweilen plakativer wie platter Text.
Als Spielleiter führt ein Schmetterling (schrill und schräg: Linda Adami) durch die zweistündige Performance, Sinnbild für die Wandlung schlechthin. Selbst echte Schmetterlinge flattern über die Spielfläche, in der Tod und Erotik sehr nahe sind. Die Darsteller verkörpern „Dramatis Personae“ wie den Doktor-Philosophen (überzeugend als älterer Darsteller und Vaterfigur: Aleksander Pavlin), den Priester, den Sozialarbeiter, die Witwe oder den Totengräber.
Daneben sind in Salzburg drei Ausstellungen Jan Fabres Schaffen gewidmet. Im Museum der Moderne (Rupertinum) ist bis 28. Oktober „Die verliehene Zeit“ zu sehen, ein Überblick über das theatrale Wirken Jan Fabres während der letzten 25 Jahre. Die Dokumentation mit vielen Arbeitsskizzen, Denkmodellen und Fotos ist vor allem für jene Besucher interessant, die Fabres Bühnenwerke kennen. Die Beschriftungen sind mangelhaft; oft fehlen die Namen der Darsteller.
Die Galerie Mauroner zeigt Fabres „Tivoli Projekt“, eine bic-kugelschreiberblaue Übermalung eines belgischen Schlosses, sowie kleine Skulpturen und Objekte.

Silvia Kargl

Online am: 11.09.2007, © www.tanz.at