Traumtänzer

Zwei Meistertänzer im skurrilen Pas de deux

Don Q. - Eine nicht immer getanzte Revue über den Verlust der Wirklichkeit, Theaterhaus Stuttgart, 06.09.2007.

Der eine ist ein junger Hund, immer zu Schabernack aufgelegt. Der andere ein alter Herr, der aus dem trübseligen und mühseligen Alltag in seine Träume flüchtet. Der eine ist der Tänzer Eric Gauthier, der sich kürzlich vom Stuttgarter Ballett verabschiedet hat, um mit einer eigenen Compagnie zu arbeiten. Der andere ist der einstige Star des Stuttgarter Balletts (und spätere Leiter von NDT III) Egon Madsen. Gemeinsam sind sie Don Quijote und Sancho Pansa oder auch Wladimir und Estragon oder Vater und Sohn, jedenfalls zwei Gefährten unterschiedlichen Alters, die sich mit der Realität plagen, aneinander gekettet in einem Zimmer voller Erinnerungen.
Christian Spuck, seit sechs Jahren Chefchoreograf beim Stuttgarter Ballett hat die Revue eigens für die beiden Solisten geschrieben. Gekonnt spielt er mit dem eklatanten Altersunterschied: Madsen ist heuer 65 geworden, Gauthier gerade 30. Klar, dass der Junge seine tänzerische Perfektion vorzeigt, über Sessel und Tische turnt und als Don Qs Diener, dem auch ganz schön auf der Nase herumtanzt. Dieser aber, Don Egon, weiß sich auch zu wehren, lässt den Gefährten seine Überlegenheit, seine Erfahrung und auch seinen Humor spüren.
Komisches Talent haben sie beide und spielen es vor allem zu Beginn hemmungslos aus. Lachsalven in den ersten fünf Minuten sind ein unschlagbares Mittel, das Publikum zu gewinnen und bei der Stange zu halten. Denn die „nicht immer getanzte Revue“ gewinnt im Lauf der Vorstellung immer mehr an Tiefe. Melancholie breitet sich aus. Rosinante ist nur ein Schaukelpferd, das Schwert aus Holz und die Windmühlen sind kleine Mitbringsel aus dem Andenkenladen. Selbst Dulcinea ist nur eine Illusion, unter der blonden Perücke steckt Sancho im bonbonrosa Kleid. Irgendwann kann auch Don Q. sich nichts mehr vormachen, er muss sich der Realität stellen, dem Zerfallen der Traumbilder, dem Verlust der Jugend, dem Ende der Wünsche.
Spuck hat mit einer seiner Musikauswahl (von Schubert über Schnittke bis Perez Prado, und natürlich Minkus) für stetigen Wechsel des Rhythmus (und der Gefühle) gesorgt, dem sich die Tänzer exakt unterordnen. Jede Geste, jeder Sprung und Fall, sogar das Schleudern der Teebeutel geschieht genau im Takt, mit Leichtigkeit und Eleganz.
Mit tosendem Applaus bedankte sich das Premierenpublikum bei den drei in Stuttgart wohlbekannten Künstlern für einen unterhaltsamen Abend, der nicht nur über Don Q. und Sancho, sondern auch über den Tanz und das Tanzen und schließlich auch etwas über die Menschen im Zuschauerraum erzählte.
Österreichpremiere von „Don Q.“ am 17. Mai 2008 im Festspielhaus St. Pölten.
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Ditta Rudle

Online am: 11.09.2007, © www.tanz.at