Im Zeichen der Menschenrechte

Das „Mittelfest“ in Cividale bei Udine ist der beste Geheimtipp im sommerlichen Festival- Karussell zwischen Wien und Venedig

Mittelfest, Udine, 07.07.2007.

Seit zehn Jahren wird an zahlreichen Spielstätten in der einstigen Langobardenhauptstadt (200 Jahre lang) mit ihrem einmaligen venezianisch-friulanisch-altösterreichischen Flair im Juli internationale Bühnenkunst vor allem aus Mitteleuropa auf höchstem Niveau zelebriert. Auffallend ist die große Zahl an Uraufführungen, die sich jeweils einem Jahresthema unterordnen, das bereits im Vorfeld Anlass für Vortrags- und Diskussionsreihen ist. Heuer stand das von Moni Ovadia, Kosmopolit, Politikwissenschafter, Regisseur, Autor, Schauspieler, Sänger, Komponist und Multimediakünstler, geleitete „Mittelfest“ im Zeichen der Menschenrechte.
Isabelle Huppert, das Borodin Streich Quartett sowie die Regisseure Danio Manfredini und Roberto Andò waren die Stars der dreiteiligen Eröffnung, ab der die Stadt zehn Tage lang autofrei ausschließlich den Künstlern und deren Publikum gehörte, inklusive Gastronomie (Mittelgusto), Jugendevents, Kinderprogramm (Mittelkids), Führungen (Mitteltour), Galerien und Kino (Mittelimmagini). Viele Sprachen, ein Thema - das ergibt spannende Begegnungen, heuer auch mit Kunst aus Frankreich: neben Huppert kamen auch Joseph Nadj mit seinem berührenden „Journal d'un Inconnu“ und französische Theaterkoproduktionen. Tanz- und Bewegungstheater lieferten u.a. auch Emio Greco („Anima separata“), Sonja Vukicevic (Serbien) mit „Circus History“ oder Sandro Lombardi und Virgilio Sieni mit der Uraufführung von „Le ceneri di Gramsci“ nach Pasolinis berühmtem Gedicht über den marxistischen Philosophen, Antifaschisten und Parteigründer (PCI). Aufführungsort für dieses Stück war das Monastero Maggiore, idealer Rahmen für Pasolinis poetische Konfrontation von Komunismus als Vision und realer Religiosität.

Andrea Hein

Online am: 13.08.2007, © www.tanz.at