Manche mögen's heiß |
Tanzen ist im Sommer cool: Die 23. Ausgabe von Tanzsommer Bozen / Bolzano Danza ging vom 11. bis 29. Juli 2007 über die Bühne. Ein Stimmungsbild über die erste Kurswoche. |
Tanzsommer Bozen / Bolzano Danza, 14.-22.07.2007. |
Was tun Sie, wenn sich die Temperaturen der 40-Grad Grenze nähern? Ins kühle Wasser springen? Im Wald spazieren? In die Berge wandern? Ein gemischtes Eis im Schatten genießen? In klimatisierte Shopping-Malls flüchten? Möglichst reglos im Garten rasten? Alles wäre möglich im von den schroffen Dolomiten, steilen Weinbergen und satten Wäldern gesäumten Bozen mit seiner adretten, alten Innenstadt. Das zweisprachige Städtchen an Eisack und Talfer kann einem Müßiggänger so ziemlich alle Trümpfe auf den Tisch blättern, die einen schönen Sommertag zum Hochgenuss machen. Doch manchen ist's noch immer nicht genug. Im Gegenteil, sie schwitzen lieber. Just zur heißesten Zeit im Jahr zieht es hunderte Tanzbegeisterte aus ganz Italien, Deutschland, Schweiz und Österreich in Südtirols Hauptstadt, um sich mit wachsender Begeisterung ihrer schweißtreibenden Leidenschaft hinzugeben: Tanzsommer Bozen / Bolzano Danza heißt ihr Reiseziel. Zum 23. Mal ging diesen Sommer der gar nicht mehr so kleine, aber feine Tanzevent vom 11. bis 29. Juli über die Bühne. Das scheinbar verträumte Wohn- und Schulviertel jenseits der Talfer hat sich nur kurze Zeit der Ruhe der Sommerferien erfreut - spaziert man nun Mitte Juli durch eine der Straßen, wo sich Schulgebäude an Schulgebäude reiht, scheint es vielleicht noch nicht ganz so ungewöhnlich, wenn da lautstarker HipHop aus einer der Turnhallen nach draußen klingt. Verwunderlicher wird es allerdings, wenn man einmal um die Ecke biegt und plötzlich das Stampfen von Schuhen und der helle Klang unzähliger Kastagnetten aus dem Fenster tönt. Möglicherweise fährt dann gerade in diesem Moment eine Gruppe von jungen Mädchen in dunklen Trikots und weißen Strümpfen, das Haar elegant zur Ballerinenfrisur hochgesteckt auf ihren Fahrrädern vorbei - spätestens dann ist klar - hier hat der Tanz in seinen unzähligen Facetten seine Zelte aufgeschlagen, um zwei Wochen lang Menschen quer durch alle Altersschichten und Interessen die Gelegenheit zu bieten, den Spaß an der Bewegung miteinander zu teilen und vielleicht neue Bewegungswelten zu entdecken. Waren es im Vorjahr noch 750 TeilnehmerInnen, die sich vom vielfältigen Kursprogramm des Tanzsommers Bozen begeistern ließen, so hat die diesjährige Ausgabe von Bolzano Danza bereits knapp 900 aktive TänzerInnen verzeichnet, was ein beachtliches Mehr von 20% bedeutet. 87 Kurse standen in den beiden Kurswochen 2007 auf dem Programm: DozentInnen und MusikerInnen aus ganz Europa und den USA sind angereist, um in den sieben Hallen täglich von 9-19.30, großteils von Live-Musik begleitet, Bewegung und Tanz, Technik und Freude, Gespür für den eigenen Körper und Gefühl für die Musik zu vermitteln. Das breit gefächerte Angebot reicht von Hip Hop, Latin Jazz und Musical über Modern Contemporary, Afro Contemporary und Jazz bis zum Klassischen Ballett, von Orientalischem Tanz und Flamenco bis zu Pilates und Gyrokinesis. Gut gesorgt ist auch für die nächste Generation: zwei der sieben Hallen sind einem bunten und anspruchsvollen Kids-Programm gewidmet. Erstmals Teil des Programms war dieses Jahr eine Ausbildung zum Pilates-Trainer Matwork, die ein intensives Trainingsprogramm am ersten Wochenende mit anschließender Unterrichtspraxis und Supervision umfasste. Eine der Dozentinnen, die stets für volle Hallen sorgt und zudem dem Tanzsommer Bozen seit seinen Anfängen die Treue hält, ist die aus Montpellier stammende Anne-Marie Porras. Ihre Jazz-Stunden - ob für Anfänger oder Profis - gehören zum großen Renner im Kursangebot. So verschieden die Vorkenntnisse, so zahlreich die TeilnehmerInnen sein mögen, mit einer Mischung aus Tempo, Temperament und Präzision gelingt es ihr - mitten in der Gruppe die Bewegungsfolgen demonstrierend - in nur kurzer Zeit, eine Linie ins anfängliche Chaos zu bringen und mit der live von Armand Amar entworfenen Musik eine mitreißende Energie zu erzeugen. Für mich ist es ganz besonders wichtig, so die Choreografin und Tanzpädagogin, genau diesen Kontakt zu den Amateuren nicht zu verlieren. Ich glaube, dass der Tanz für alle offen sein muss und wenn es mir gelingt, einem blutigen Anfänger, der noch nie gearbeitet hat, sich seines Körpers bewusst zu werden, dann bin ich im Tanz. Was Anne-Marie vermitteln möchte, tut sie auf Französisch, Belen in ihren Flamenco-Stunden auf Spanisch, Natalia im Modern Comteporary auf Italienisch, Karen im Ballett auf Englisch, Appolonia in Pilates auf Deutsch. Ob Italienisch, Deutsch, Englisch, Französisch oder Spanisch - nichts davon ist je in seiner reinen Form, sondern in kunterbunten Mischungen in den Hallen zu hören. Das Sprachgewirr ist babylonisch, die Kommunikation funktioniert immer, denn schließlich hat man sich ja einer gemeinsamen Sprache verschrieben.
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Karin Schiefer |
Online am: 06.08.2007, © www.tanz.at |