Spiegelscherben

Auch Wim Vandekeybus kramt im Archiv

Spiegel, ImPulstanz 2007 / Volkstheater, 18.07.2007.

Zwanzig Jahre nach „What the Body Does Not Remember“, der allerersten Aufführung von Ultima Vez, hat der Gründer und Choreograf des Ensembles Wim Vandekeybus den „Spiegel“ nach hinten gewendet und einen Reprisenabend zusammengestellt, um Schlüsselszenen vergangener Produktionen wieder lebendig werden zu lassen. Damit liegt er im Trend. Nicht nur Anne Terese De Keersmaeker, auch Meg Stuart, Susanne Linke und Emio Greco kramen im Archiv, um einmal Erarbeitetes nicht in der Ablage vermodern zu lassen.
Vandekeybus aber macht es sich ein wenig gar zu einfach, reiht einfach Szene an Szene, um sein Publikum zu verblüffen. Wenn seine TänzerInnen (langjährige Ensemblemitglieder und frisch Hinzugekommene) durch die Luft fliegen und sich zu Boden schleudern, im Sprung die geworfenen weißen Ziegel auffangen, sich aufeinander stürzen und unklammern, stampfen, trampeln, rennen und die Körper der Partnerinnen auf die Bühne knallen, dann stockt den Zuschauenden schon mal der Atem, besteht doch Teil des vergnügten Staunens in der spannenden Frage, ob auch wirklich jede Übung ohne Blessuren überstanden wird. Wie im Zirkus. Die Präzision, mit der Vandekeybus, die Körper seiner akrobatischen Tänzerinnen und Tänzer an ihre Grenzen jagt, garantiert ein eindrucksvolles Spektakel, doch wirklich befriedigen kann diese Aneinanderreihung von spektakulären Szenen nicht. Sind doch seine Kreationen (nicht nur an seine erste erinnert er, auch an das zauberhaft poetische „Immer das Selbe gelogen“ oder „7 for a Secret never to be told“) jeweils ein Gesamtkunstwerk aus Bühnenbild und Licht, Videosequenzen und einem gedanklichen roten Faden, wenn nicht sogar einer Erzählung. Weil „Spiegel“ eindeutig eine Tourneeproduktion ist, muss das Bühnenbild einfach sein (lediglich ein vom Himmel baumelnder Sessel und einige bedrohlich wirkende Haken, in die sich die Mitwirkenden werfen, um darin in verschiedensten Posen hängen zu bleiben), die stetig wechselnden Hintergrundvorhänge sind auf zwei reduziert, das Licht hart und kaum wechselnd. Zusammenhanglos reiht sich ein Ausschnitt an den anderen. Keine Bilder im Kopf, kein Träumen zwischen der spektakulären Rasanz, lediglich ein wenig Erholung in den Clownnummern. Sinn stellt sich keiner ein, die um ihrer selbst willen gezeigten Effekte gerinnen trotz aller Energie und Rasanz zu fader Beliebigkeit.
Dem Publikum, großteils zu jung, um Vandekeybus Zitate zu erkennen, wird aber das Werfen und Fliegen, das Rennen und Fallen nicht zu viel. Begeistertes Toben belohnt die exzellente Truppe. Die Tänzerinnen und Tänzer, die nach Vandekeybus, „verstecken sollen, dass sie Tänzer sind“, haben es verdient. Zwanzig Jahre nach „What the Body Does Not Remember“, der allerersten Aufführung von Ultima Vez, hat der Gründer und Choreograf des Ensembles Wim Vandekeybus den „Spiegel“ nach hinten gewendet und einen Reprisenabend zusammengestellt, um Schlüsselszenen vergangener Produktionen wieder lebendig werden zu lassen. Damit liegt er im Trend. Nicht nur Anne Terese De Keersmaeker, auch Meg Stuart, Susanne Linke und Emio Greco kramen im Archiv, um einmal Erarbeitetes nicht in der Ablage vermodern zu lassen.
Vandekeybus aber macht es sich ein wenig gar zu einfach, reiht einfach Szene an Szene, um sein Publikum zu verblüffen. Wenn seine TänzerInnen (langjährige Ensemblemitglieder und frisch Hinzugekommene) durch die Luft fliegen und sich zu Boden schleudern, im Sprung die geworfenen weißen Ziegel auffangen, sich aufeinander stürzen und unklammern, stampfen, trampeln, rennen und die Körper der Partnerinnen auf die Bühne knallen, dann stockt den Zuschauenden schon mal der Atem, besteht doch Teil des vergnügten Staunens in der spannenden Frage, ob auch wirklich jede Übung ohne Blessuren überstanden wird. Wie im Zirkus. Die Präzision, mit der Vandekeybus, die Körper seiner akrobatischen Tänzerinnen und Tänzer an ihre Grenzen jagt, garantiert ein eindrucksvolles Spektakel, doch wirklich befriedigen kann diese Aneinanderreihung von spektakulären Szenen nicht. Sind doch seine Kreationen (nicht nur an seine erste erinnert er, auch an das zauberhaft poetische „Immer das Selbe gelogen“ oder „7 for a Secret never to be told“) jeweils ein Gesamtkunstwerk aus Bühnenbild und Licht, Videosequenzen und einem gedanklichen roten Faden, wenn nicht sogar einer Erzählung. Weil „Spiegel“ eindeutig eine Tourneeproduktion ist, muss das Bühnenbild einfach sein (lediglich ein vom Himmel baumelnder Sessel und einige bedrohlich wirkende Haken, in die sich die Mitwirkenden werfen, um darin in verschiedensten Posen hängen zu bleiben), die stetig wechselnden Hintergrundvorhänge sind auf zwei reduziert, das Licht hart und kaum wechselnd. Zusammenhanglos reiht sich ein Ausschnitt an den anderen. Keine Bilder im Kopf, kein Träumen zwischen der spektakulären Rasanz, lediglich ein wenig Erholung in den Clownnummern. Sinn stellt sich keiner ein, die um ihrer selbst willen gezeigten Effekte gerinnen trotz aller Energie und Rasanz zu fader Beliebigkeit.
Dem Publikum, großteils zu jung, um Vandekeybus Zitate zu erkennen, wird aber das Werfen und Fliegen, das Rennen und Fallen nicht zu viel. Begeistertes Toben belohnt die exzellente Truppe. Die Tänzerinnen und Tänzer, die nach Vandekeybus, „verstecken sollen, dass sie Tänzer sind“, haben es verdient.

Karin Schiefer

Online am: 01.08.2007, © www.tanz.at