Zwei können nicht nicht tanzen |
Musik und Tanz - eine besondere Beziehung |
Speaking Dance, ImPulstanz 2007 / Schauspielhaus, 20.07.2007. |
Wenn ich dem Tänzer Jonathan Burrows und seinem Tanzpartner, dem Komponisten Matteo Fargion zusehe, wie sie die Arme heben, die Hände aneinander reiben, gebückt über die Bühne stolpern, einander Laute zurufen oder einander im Heraussprudeln von Wörtern, die Bewegung beschreiben, überholen, dann fällt mir des Wissenschaftlers Paul Watzlawick Metakommunikatives Axiom ein: Man kann nicht nicht kommunizieren. Für Burrows und Fargion gilt der Satz ohnehin, denn ihre minimalistischen Tanzsessions entstehen einzig aus der Kommunikation, dem Doppelspiel, der Synchronizität oder deren Gegenteil. Die drei 45-Minuten-Performances regen aber auch zu einer Variation an, quasi einem metabeweglichen Axiom: Man kann nicht nicht tanzen. Zumindest Burrows und Fargion können es nicht, selbst wenn sie wie angeschraubt auf ihren Sesseln sitzen und nur die Oberkörper bewegen (Both Sitting Duet). Tanzen können die beiden seit langem befreundeten Herren auch mit ihren Stimmen, akkurat im Rhythmus zaubern sie auch aus Grunzen, Zischen und Pfeifen Musik, Tanzmusik, die sie sofort in Bewegung umsetzen, und sei es auch nur indem einer die Augenbrauen hebt oder den anderen angrinst. In Speaking Dance, dem letzten Teil der Trilogie (bei ImPulsTanz als Österreich-Premiere gezeigt, die beiden anderen Stücke, sind Wiederholungen, weil man diese minimalistischen Gustostückerl nicht oft genug sehen kann), ist der Ausgangspunkt die Beziehung von Musik (im allerweitesten Sinn) und Tanz. Deshalb darf Matteo Fargion auch italienische Lieder singen; Jonathan Burrows bewegt dazu die Arme; ganz selten dass die Rollen so eindeutig verteilt sind. Der Titel The Quiet Dance zeigt die Schalkhaftigkeit des Traumpaares, denn still ist dieser Tanz keineswegs, bei dem sich die Zwei am heftigsten bewegen und auch den gesamten Bühnenraum ausnützen. Rufe, Schreie und Geräusche des Einen erzeugen Bewegungsabläufe des Anderen. Oder ist es umgekehrt? Erzeugen die Bewegungen des Einen die Laute des Anderen? Wie auch immer, das System ist ausgeklügelt und feinst geprobt, und keiner fällt je aus dem Rhythmus dieser mathematisch präzisen und hochmusikalischen Choreografie(n). Das Geheimnis der überaus erfolgreichen Trilogie im Duett, ist die nahezu schwebende Leichtigkeit dieser besonderen, exakt choreografierten Tänze und die ironischen Brechungen, mit denen Burrows und Fargion ihr Publikum unterhalten, in Spannung versetzen und verblüffen. Spektakulär ist das nicht, aber überaus intensiv, auch elegant und sehr komisch.
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Karin Schiefer |
Online am: 01.08.2007, © www.tanz.at |