Eröffnungs-Understatement |
Jonathan Burrows und Matteo Fargion eröffnen ImPulsTanz mit einer Miniatur |
Both Sitting Duet, ImPulstanz 2007 / Schauspielhaus, 12.07.2007. |
Zum Auftakt ein Kontrapunkt. Wiens großer Tanzevent eröffnet mit einer Miniatur - kurz und klein der Rahmen, keine Musik, kein Bühnenbild, kein Tanz. Stattdessen - zwei schwarze Stühle, zwei Herrn in Hemd und Hose und der Witz in den Fingerspitzen. Der Brite Jonathan Burrows ist ein bekannter und viel beschäftigter Gast beim sommerlichen Tanztreffen in Wien, selbst mit seinem Stück "Both Sitting Duet" aus dem Jahr 2003, das er mit dem italienischen Komponisten Matteo Fagion erarbeitet hat, war er schon mehrfach, zuletzt 2006, in Wien zu Gast. Wie zwei Dirigenten heben die beiden Performer an und legen los - die Hände streichen und schieben, deuten und schwingen, schreiben Spiralen und Zeichen in die Luft - synchron oder um einen Takt versetzt, trotzig gegeneinander oder jeder für sich. Flinke Finger, geschmeidige Hände und ausladende Arme, manchmal vielleicht noch der Kopf und kurz auch die Stimme, mehr kommt nicht zum Einsatz im witzigen Pas de deux der Hände. Vor den beiden sitzenden Bühnenkomplizen liegen am Boden zwei Bücher, in denen sie manchmal blättern, als wär's eine Partitur, manchmal etwas genau unter die Lupe nehmen, als wär's ein Übungsbuch, deren komplizierte Abbildungen es nachzustellen gilt. Manchmal sieht der eine den anderen an und versucht ihm bemüht das flotte Fingerspiel nachzumachen, als wär einer Meister, der andere Schüler, manchmal erwecken ihre Gesten den Eindruck einer klaren Zeichensprache, an der sich das Publikum vergeblich um Entschlüsselung müht. Ohne Instrument und ohne eine Schrittfolge im Raum zu ersinnen, haben der Komponist und der Choreograf in einem rhythmisch ausgeklügelten Fingerballett voller Witz und abseits gängiger Konvention ein intelligentes und unterhaltsames Stück Tanz auf die Bühne gebracht, das als lakonisches Understatement zum Festivalbeginn für Leichtigkeit und Lust an der Provokation, für Kontinuität und Offenheit plädiert.
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Ditta Rudle |
Online am: 01.08.2007, © www.tanz.at |