Wiehern im Museumsquartier

Mit der Performance „I am a Horse - Ich bin ein Pferd“ regen Matsune & Subal zum Träumen an.

I am a Horse, Tanzquartier / Museumsquartier, 01.07.2007.

Einst waren sie tatsächlich dort zu Hause, wo jetzt die Kunst innen und das Dolcefarniente draußen herrscht, die Pferde. Auf ihrem Rücken ruht das Glück dieser Erde, sie sind die Freunde und Knechte der Menschen. Manchmal tragen sie ein Horn oder haben acht Beine, andere können fliegen oder verbergen als trojanisches die Feinde in ihrem Leib.
Dieses und anderes Wissen um die mythische Gestalt des Pferdes und ihre reale als Bewohner der einstigen Hofstallungen im jetzigen Museumsquartier nutzen Michikazu Matsune und David Subal, als Matsune & Subal bereits eine Marke, um als Veranstaltung des Tanzquartiers zur Rossinstallation mit Pferdeperformance einzuladen.
Die Übung ist gelungen.
Man schlendert durch das Quartier, hört die Rösser schnauben und wiehern und denkt sich bereits sein Teil. Rund um die Koppel sind tanzquartiergrüne Quader aufgestellt, auf denen die allerliebsten Arrangements zum Stutzen und Staunen einladen. Zehn Spielzeugpferde starren in die Ferne, haben „Sehnsucht“ nach der Steppe oder dem wilden Kurdistan. An der Quelle erholt sich das weiße Pferd mit der Elfe auf dem Rücken im „Tierquartier“ und auch der muskulöse Lipizzaner aus der Augarten-Manufaktur, zur Levade mächtig aufgerichtet, darf nicht fehlen. Ein Islandpony in Stiefeln behauptet, es sei auch ein Pferd. Trotz allem! Aus den Kopfhörern tönen Pferdelieder und während ich über Lassowürde und die letzten Wildpferde sinniere und MM im Film „Misfits“ vor mir sehe, fährt ein umgekehrter Zentaur (Pferdekopf, Menschenleib) auf dem Tretroller vorbei, drückt mir eine Pferdezeitung in die Hand. Eines der Kutschpferde wälzt sich lustvoll auf den Boden, wiehert die amüsierten BesucherInnen freudig an. Natur mischt sich mit Kultur. Ein Salbei-Lemon-Prosecco wird fällig.
Das Museumsquartier als historischer Ort und das Pferd als mythische und häusliche Figur, darüber kann man träumen und denken, assoziieren und projizieren. Keine Sorge, das Veterinäramt und die zuständige MA haben den tierischen Live-Spaß genehmigt und Matsune & Subal haben das Denken keineswegs den Pferden überlassen, sondern ihre eigenen Köpfe angestrengt und diese sommerliche Vorführung mit Sorgfalt und Fantasie eingerichtet. Und wer sich fragt, was das alles mit dem Tanzquartier zu tun hat, hat die weißen Pferde noch nie tanzen gesehen.

Ditta Rudle

Online am: 02.07.2007, © www.tanz.at