Auftakt zum Kampf |
Das neue Werk von Lemi Ponifasio ist eine gedehnte Mischung aus Vortrag und Performance. |
Tempest, Wiener Festwochen, 15.05.2007. |
Konnte der neuseeländische Regisseur Lemi Ponifasio im vergangenen Herbst mit Requiem das Publikum begeistern, so entließ er es diesmal eher ratlos nach einer guten Stunde, die vor allem von der langen Rede des Maoris Tame Iti beherrscht wurde. Tanz und Performance mussten hinter die politische Botschaft zurücktreten. Ponifasios Bezug zu Shakespeares Sturm ist die Inselgeographie und der Ausnahmezustand in dem sich die bei Shakespeare Gestrandeten (und viele kolonialisierten Völker) befinden. Wie auch in anderen Stücken mit der Gruppe MAU geht es Ponifasio um die politische Lage, vor allem die Rechtlosigkeit und Unterdrückung der indigenen Völker, in seiner Heimat. In Tempest gibt er zur Einleitung überdies einen Bericht über einen algerischen politischen Flüchtling, der in Neuseeland ohne Gerichtsverhandlung inhaftiert worden ist. Danach die Geschichte des (der) Maori, in Maori und Tahitisch erzählt. Auf einer Tafel läuft die Übersetzung. Tame Iti (politischer Aktivist und Schauspieler zugleich) legt zu Beginn einige Tanzschritte hin, setzt sich dann auf eine Bank und erzählt sein Leben, erzählt das Leben vieler Maori. Er spricht eindringlich, mit den traditionellen Formeln und vielen Wiederholungen, mehr Plädoyer als Aufführung. Wir wissen es schon: Die Kunst der öffentlichen Rede ist das Herzstück der traditionell oralen Kultur im pazifischen Raum. Deshalb ist es auch klar, dass diese Kunst auch in den Theater- und Tanzstücken ihren Platz haben muss. Befremdend sind diese Vorträge, aber auch berührend. Paradox auch: Tame Iti erzählt davon, dass seinem Volk die Sprache geraubt worden ist. Maori, so hatten es die Neuseeländischen Behörden beschlossen, sollte nicht mehr gesprochen werden. Es brauchte langer Kämpfe, bis die ersten Bewohner der Insel ihre Sprache und damit ihre Identität wieder zurück erhielt. Maori ist heute offizielle Amtssprache. Doch Ponifasio bietet auch das Erwartete, wenngleich in minimalistischen Dosen: Geheimnisvolle Figuren, die im Dämmerlicht (Helen Todd) wortlose Beschwörungen gestikulieren, das gesamte Ensemble zuerst im friedlichen Gleitschritt und dann kämpferisch stampfend und skandierend. Sie verdrehen die Augen, strecken die Zunge heraus, schneiden diabolische Grimassen. Ein Kriegstanz. Alte Tradition oder touristische Attraktion? Die Verwirrung bleibt. |
Ditta Rudle |
Online am: 16.05.2007, © www.tanz.at |