Russisches Dreieck frisch aufgerollt |
Boris Eifmans Anna Karenina in neuer Besetzung wurde zum bejubelten Erfolg. |
Anna Karenina, Volksoper, 09.05.2007. |
Mit Gregor Hatala als Karenin, Mihail Sosnovschi als Wronski und Irina Tsymbal als Anna präsentierte sich in der Volksoper Boris Eifmans aufwühlende Choreografie nach Leo Tolstois Roman Anna Karenina in wieder neuem Licht. Fixpunkt und eigentlicher Star des Balletts bleibt das Corps, das exakt und einheitlich die Kontinuität wahrt. Hatala, Sosnovschi und Tsymbla debütierten in ihren Rollen, was die anfänglichen Unsicherheiten verständlich macht. Dementsprechend zäh entwickelte sich das Liebesdrama auch im ersten Akt. Der dramatische Knoten schürzte sich erst nach der Pause. Dann aber sprang der Funke über - zwischen den Tänzern und der Tänzerin und auch ins Publikum. Tsymbal beeindruckte, besonders in der Traumszene, als formvollendete Ausdruckstänzerin. Die sämtliche Gliedmaßen überdehnenden akrobatischen Bewegungen Eifmans liegen ihr, scheint es, mehr als der Spitzentanz. In der Arbeit mit den beiden Spitzentänzern Hatala und Sosnovschi hat auch sie sichtlich an Profil und Überzeugungskraft gewonnen. Ganz im Sinne Eifmans - nimmt man die mit seiner Assistenz erarbeitete Premiere (und auch die alternative Besetzung mit Dagmar Kronberger und Eno Peci) als Maßstab - interpretierten die ProtagonistInnen sein Vokabular allerdings nicht. Die scharfe, oft dramatische Härte von Eifmans Ballettsprache ist deutlich gemildert und aufgeweicht, die artistischen Posen für den Eigengebrauch zurechtgebogen. Dennoch boten Hatala, Sosnovschi und Tsymbal einen beeindruckenden Abend. Gregor Hatala gestaltet den Karenin feinsinnig und differenziert, ist zugleich seelenloser, brutaler Tyrann und mitfühlender, schmerzgebeugter Verlassener; ein Mann, der keineswegs allein schuldig ist an Annas Liebesverwirrung. In der (in den beiden anderen Besetzungen) aufregenden Bettszene (1. Akt) allerdings, fällt er statt in Annas etwas abrupt in Morpheus Arme. Sosnovschi legt seinen Wronski als eleganten Charmeur an, tänzelt leichtfüßig durchs Leben, sich seines Erfolgs als Herzensbrecher allzu sicher. Wirkte Eifmans Choreografie auf den ersten Blick noch als effekthaschender Bilderbogen, so gewinnt das mit den Emotionen des Publikums spielende Drama immer mehr, je öfter ich es sehe. Nicht zuletzt liegt das auch am Orchester unter Dani Levi, das Tschaikowskis Melodien auch diesmal konzertreif gespielt hat.
Kritik zur Premiere am 24. November 2006 Kritik zur zweiten Besetzung vom 12.12. 2006
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Ditta Rudle |
Online am: 11.05.2007, © www.tanz.at |