Graz meets Croatia

Das Grazer Festival tanz schritt weise bot Kroatisches und Österreichisches im Kompaktformat

tanz schritt weise, Kulturzentrum bei den Minoriten Graz, 22.04.2007.

Eveline Koberg, Kuratorin des Festivals "tanz schritt weise" in den Grazer Minoriten lässt sich immer wieder Neues einfallen. Angefangen hat das kleine, feine Festival vor nunmehr fünf Jahren mit einer Werkschau zeitgenössischen Tanzes aus den Nachbarstaaten Polen, es folgten Tschechien und Ungarn. Nach und nach wurden das Budget und die Länder kleiner und die Festivaldauer kürzer. Im letzten Jahr stellten sich an drei Festivaltagen KünstlerInnen aus Slowenien und ProtagonistInnen der Grazer Tanzszene vor. Auch heuer präsentierten sich neben den kroatischen Gästen heimische Tanzgruppen, und es wurde ein eintägiges Festival mit fünf 20 bis 30minütigen Vorstellungen.
In Kroatien, so die Kuratorin, habe sich erst in den letzten sechs Jahren eine nennenswerte zeitgenössische Tanzszene gebildet. Rückblickend muss man sagen, dass das Format durchaus passend war. Bemerkenswert, dass von den fünf Beiträgen zwei sehr gelungene, humorvolle Choreografien dabei waren - wohl ein Spitzenwert in der bierernsten, zeitgenössischen Tanzwelt.
Dass die Tanzveranstaltung in den Minoriten ein Publikumsrenner ist, zeigte der erfreulich gute Besuch an einem strahlenden Sonntagnachmittag, der geradezu nach Outdoor-Aktivitäten schrie. Aber tanz schritt weise hat mittlerweile ein treues Publikum gefunden, das dem Tanz auch an einem solchen Frühlingstag den Vorzug gab.
Wie im letzten Jahr gab es auch diesmal sehr positive Überraschungen. Die eine war UNICORN, ein spanisch (pardon, baskisch)-österreichisches Duo mit Alexander Deutinger und Marta Navaridas und ihrem Stück „Look at Them Now“. Ein Sprecher aus dem Off kommentiert die Aktionen der Beiden auf der Bühne - „look at how the human is lying down ...“, „what is the human thinking?“, etc. - wie ein zoologischer Verhaltensforscher. Doch das Stück liest sich ebenso als eine ironische Abhandlung der postmodernen Performance. Das Ganze ist witzig-pointiert, klug strukturiert und umgesetzt von zwei charismatischen DarstellerInnen.
Die Kommentare des „Verhaltensforschers“ drängten sich bei den beiden nächsten Stücken automatisch ins Gedächtnis. Sowohl Krajac Marjana als auch das Duo Mariamagdalena (alias Valerie Oberleithner und Magdalena Chowaniec) blieben in der Privatheit ihrer Gedankenwelt stecken und konnten ihre Intentionen nicht vermitteln.
Einen interessanten Ansatz bot die Improvisation von Musik, Malerei und Tanz nach einer Konzeption von Irma Omerzo, allerdings fehlte auch hier eine klare Struktur für die Bühnenaktionen, und die 35 Minuten drifteten ziemlich ereignislos vorbei.
Einen aufmunternden, vergnüglichen und schwungvollen Ausklang des fünfstündigen Nachmittags lieferte das SCDC - Contemporary Dance Theatre mit „Maraton“ (Choreografie: Mirjana Preis) - exzellent getanzt, mit einer stimmigen Musik-Dramaturgie von Klezmer über Mozart bis Carla Bley und mit einer humoristischen Geräuschkulisse der PerformerInnnen. Mit ihrer schmissigen Mischung aus Tanztheater, Stimmakrobatik und Tanz sorgte die Compagnie für die zweite Überraschung des Abends, denn selten kommt der zeitgenössische Tanz so leichtfüßig, tänzerisch souverän und musikalisch daher.

Edith Wolf Perez

Online am: 23.04.2007, © www.tanz.at