Die Last des Alters |
Die Wiederaufnahme von Manon im neuen Bühnenbild macht nicht wirklich glücklich. |
Manon, Wiener Staatsoper, 15.04.2007. |
Ein Gast macht noch keine geglückte Aufführung. So eindrucksvoll der weltweit geschätzte britische Tänzer Robert Tewsley den Des Grieux bei der Wiederaufnahme von Manon (Musik aus Kompositionen von Jules Massenet orchestriert von Leighton Lucas und Hilda Gaunt) an der Wiener Staatsoper gestaltete, so wenig konnte er den Abend retten. Vielerlei Faktoren, nicht nur das Chaos im Ensemble (ob Bettler, Adelige oder Halbweltdamen), sind dafür verantwortlich. Allen voran, das schauerliche Bühnenbild von Peter Farmer, das die ursprüngliche Ausstattung von Nichols Georgiadis ersetzt. Selbst im ersten Bild, das unter freiem Himmel spielt, ist die Bühne in düsteres Licht getaucht und schummerig geht es weiter. Nur als Funzeln glühen die Luster im Nobelpuff und auch über dem Sumpf von Lousiana herrscht ewige Dämmerung. Überbordende, dunkel getönte Romantik, die der luftigen Choreografie Kenneth MacMillans jeden Schwung nimmt und die gut 35 Jahre, die das Werk auf dem (in Wien zumindest) müden Buckel hat, deutlich spürbar machen. Zwar tanzte Tewsley den verliebten Studenten in Wien zum ersten Mal, doch ist Des Grieux eine seiner Paraderollen, deren Charakter er in jeder Faser seines Körpers hat. Ganz im Gegensatz zu Maria Yakovleva, die als Manon überhaupt zum ersten Mal auf der Bühne tanzt und sichtlich nicht genau weiß, wer sie überhaupt ist. Die zwiespältige Figur der zwischen Liebe und Luxus schwankenden Klosterschülerin ist auch schwer zu begreifen. Aber auch stilistisch driftet das Liebespaar weit auseinander. Nicht gerade ein ideales Paar. Pech für die Aufführung war auch, dass Kirill Kourlaev kurzfristig als Lescaut einspringen musste - Mihail Sosnovschi konnte den Part wegen einer Verletzung nicht tanzen. Im 2. Akt (Madames Hôtel) hatte sich Rollendebütant jedoch gefangen und amüsierte als Betrunkener mit gekonntem Stolpern und Taumeln. Dagmar Kronberger musste es sich gefallen lassen, wie eine Puppe umhergeschleudert zu werden, als wäre sie eine Puppe. Auch ihr hat vermutlich niemand gesagt, wer das überhaupt ist, Lescauts Geliebte und so verirrte sie sich mitunter mit elegant schwingenden Armen in die Feenrolle. Durch Robert Tewsleys sichere Ruhe und seinen Totaleinsatz, war schließlich in den wunderbaren Pas de deux (auch Pas de trois) der Geist MacMillans doch zu ahnen und die Frage, warum die Choreografie immer noch auf dem Spielplan so manchen großen Hauses steht, befriedigend beantwortet. Die Patina, die sich im Lauf der Jahre auf das Stück aus dem vergangenen Jahrhundert gelegt hat, ist in der Wiener Neueinstudierung nicht abgekratzt sondern verstärkt worden. Manon ist tot bevor sie stirbt. |
Ditta Rudle |
Online am: 16.04.2007, © www.tanz.at |