Perfekt posiert |
Chris Haring erzählt von der Kunst der Selbstdarstellung, die TänzerInnen unterhalten mit ihrem Imponiergehabe. |
Posing Project A / The Art of Wow, Tanzquartier Wien, 06.04.2007. |
Sanft schwingen die12 Mikrofone vom Plafond, noch ist die Arena leer, das Publikum sitzt auf dem Boden. Christ Haring mag das, auch die KonsumentInnen sollen den Körper spüren. Die wunderbare Stephanie Cumming betritt in Jeans und T-Shirt den leeren Raum und beginnt uns zu verführen indem sie posiert. Look at me and say Wow! Wow. Am Ende aber verbirgt sie ihr Gesicht, zieht sich das T-Shirt über den Kopf, verschwindet. Drei Tänzerinnen (neben der Cummings, Katharina Meves und Anna Maria Nowak) und zwei Tänzer (Luke Balo, Alexander Gottfarb) produzieren sich wechselweise auf ihre ganz spezielle Art. Die Frauen verführerisch, erotisch, fragend; die Männer akrobatisch, lärmend, einander übertrumpfend, an behaarte Regenwaldbewohner erinnernd. Alle wollen sie Eindruck schinden, sich selbst darstellen, Aufmerksamkeit erregen, geliebt werden. Die Methoden sind unterschiedlich, das Ziel dasselbe. Sie erreichen es alle Fünf, mit kleinen und großen Gesten, mit Körper- und Stimmeinsatz (teilweise aus den Lautsprechern tönend), virtuos und einfallsreich. Vergessen ist der krumme Rücken, zumal es auch immer wieder einiges zu lachen gibt. Die PerformerInnen kommunizieren mit dem Publikum auf fast intime Weise, aber nicht miteinander. Sind sie zugleich auf der Bühne, machen sie sich unsichtbar, verstecken ihre Individualität unter den über den Kopf gezogenen bunten Shirts. Ein ebenso trauriger wie ästhetischer Anblick. Haring hat mit Thomas Jelinek an der Dramaturgie gearbeitet, sodass dieser erste Teil seines Posing Projects, das aus einer Serie mehrerer Arbeiten zum Thema Selbstdarstellung besteht, einen flüssigen Ablauf zeigt, niemals langweilt und durch Ironie und Selbstdistanz auch unterhält. Andreas Berger (Glim) ist für die Soundcollage aus den Stimmen und Lauten der DarstellerInnen, einem Chanson von Jane Birkin und elektronisch erzeugten Geräuschen verantwortlich. Dass die den TänzerInnen zugeordneten akustischen Passagen exakt und synchron aus den über den Köpfen hängenden Lautsprechern tönten, trug wesentlich zum Gelingen dieses Abends bei. Nach knappen 60 Minuten wissen wir, was die Figuren uns anzubieten haben, in Gedanken können wir uns eine aussuchen. Während die Mikrofone wieder sanft zu schwingen beginnen, denke ich an Venedig. Dort, während der Biennale 07, zeigt Liquid Loft den zweiten Teil des Posing Projects: The Art of Seducation. Ein befriedigtes Wow könnte auch dann angebracht sein.
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Ditta Rudle |
Online am: 10.04.2007, © www.tanz.at |