Poetische Bildsprache |
Die Jongleure der Compagnie Jérôme Thomas bewegen sich in einem kontrast- und farbenreichen Bilderreigen von der Dunkelheit ins Licht. |
Rain/Bow - arc après la pluie, Festspielhaus St. Pölten, 25.03.2007. |
Heiter oder finster, Schatten- oder Farbenwelt, Licht- oder Nachtgestalten. Die Compagnie Jérôme Thomas hat sich auf eine Reise zwischen den Kontrasten begeben und den Regenbogen als Wegweiser gewählt. Rain/Bow, ein gut hundertminütiges Stück, besteht aus zwei Teilen - einer langen Sequenz in den Sphären der Finsternis, gefolgt von einem ausgelassenen Ausflug in eine verspielte Welt der Farben und Vergnüglichkeiten. Ganz reduziert, zunächst ohne irgend ein Gerät, das von ihren Händen durch die Luft dirigiert wird, beginnen die zehn Jongleure mit bloßen Armen und Ellbogen ihre ersten Figuren in die Luft zu zeichnen, ehe sich die ersten Stäbe von der Decke senken und sich nach und nach ihre Fertigkeiten in voller Intensität entblättern. Es regnet Bälle und Stäbe, Ringe und Keulen auf und ab, kreuz und quer, mal zu den sphärischen, oft auch metallischen Klängen Max Nagls, mal in völliger Stille, wenn das regelmäßige Klickern des Keulengewirbels an das monotone Trommeln der Regentropfen an ein Fenster erinnert. Weiße Federn, die wie Flocken niedersegeln, weiße Ringe, die wie Engelsflügel auf den Armen der Artisten verteilt sind - Jérôme Thomas gehört zu jenen klassisch ausgebildeten Zirkusartisten, die seit den frühen neunziger Jahren die poetische Bildersprache des neuen Zirkus mitgeprägt haben. Mit wie viel Liebe zum Detail er seine Shows gestaltet, zeigt das Intermezzo, wo er selbst mit kleinen Kunststücken mit Plastiksack oder Handtuch den offenen Bühnenumbau überbrückt und vom eleganten Schwarz/Weiß-Spektakel ins fröhliche Treiben seiner, da surrealistischen, dort kindlich kecken Figuren der Farbenwelt überleitet, die in diesem zweiten Teil nicht nur ihre Fingerfertigkeit, sondern auch ihr Gespür zur Clownerie ins Spiel bringen. Ein amüsanter, unbeschwerter Augenschmaus, der dennoch hoffen lässt, dass der neue Zirkus in seiner neuen Einfachheit und neuen Poesie nicht zu sehr in sich selbst verliebt in seinem naiv verspielten Vokabular stecken bleibt.
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Karin Schiefer |
Online am: 27.03.2007, © www.tanz.at |