So tanzt Mozart |
Anne Teresa de Keersmaeker verschränkt Mozarts Musik mit der Tanzsprache von heute. |
Un Moto Di Gioia, Theater an der Wien, 16.12.2006. |
Auf einem ovalen, stark ansteigenden Parkettboden (von Herman Sorgeloos dem Schönbrunner Boden nachempfunden) singt Patricia Biccirè über die Liebeslust - Un Moto di Gioia - mit perlender Koloratur. Der Tänzer im Barockgewand (Vincent Dunoyer) umschwirrt sie, umgarnt sie, versucht, ihre Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, küsst sie. Am Ende der Arie packt er die Sängerin und schleppt sie ab. Einstieg zu einem zweistündigen Stück, bei dem sich Tanz und Musik auf kongeniale Weise treffen. Zwischen Vergangenheit und Gegenwart oszillierend, mit Liebe und Witz brillierend, gewinnen die Arien, die Mozart zwischen seinem 21. und 33. Lebensjahres komponierte, in der Choreografie von Anne Teresa de Keersmaeker ihre optisch-kinetische Entsprechung. Die vor 15 Jahren entstandene Arbeit wurde beim Festival in Avignon uraufgeführt, mit ihr beendet das Theater an der Wien sein Mozartjahr. Die Auseinandersetzung mit Musik ist immer die große Stärke der belgischen Tanzmacherin gewesen. Für mich ist Musik der erste Partner. Musik ist das, wovon ich am meisten lerne. Sie ist die Quelle von Schönheit und Trost, aber auch von intellektueller, physischer und emotionaler Freude, sie versetzt uns in Schwingungen
Sie ist die natürlichste Art, sich auszudrücken, Engel und Dämonen zu erleben
, sagt sie. Bei den Arien versetzt mit weiteren, orchestralen Stücken, ließ sie sich ganz von der Leichtigkeit, Fröhlichkeit und Lebenslust, die in Mozarts Musik präsent ist, in Schwingungen versetzen. Gleichzeitig erfährt die Musik in der Choreografie ihre eigene Deutung. Die Engel und Dämonen sind hier die Liebe in all ihren euphorischen und kummervollen Facetten. Im barocken Ambiente vermittelt die Tanzsprache ein emotionales Spektrum von heute ironisch, leichtfertig und verspielt. Dieser Brückschlag findet auch in den prächtigen, wandelbaren Kostümen von Rudy Sabounghi ihren Niederschlag. Hervorragend alle Beteiligten: die Wiener Symphoniker unter der animierten Leitung von Alessandro de Marchi, die Sängerinnen Patricia Biccirè, Olga Paschinyk und Iwona Sobotka, die Pianistin Claire Chevallier und das außergewöhnliche, dem Wiener Publikum vertraute Tänzerensemble der Compagnie Rosas. Mozart hätte seine Freude gehabt!
Weitere Aufführungen: 19. und 20.Dezebmer 2006, 19.30
www.theater-wien.at
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Edith M. Wolf Perez |
Online am: 18.12.2006, © www.tanz.at |