Anna Karenina: die Zweite könnte die Erste sein |
Dagmar Kronberger überzeugt als Anna Karenina, ihrer ersten großen Rolle |
Anna Karenina, Volksoper Wien, 12.12.2006. |
Lang hat sie auf ihre Chance warten müssen und in letzter Zeit war sie schon in das Genre der Mütterrollen verbannt gewesen. Zwar hatte Dagmar Kronberger in modernen Balletten immer wieder größere Rollen, aber sie ist eben keine Solistin für die großen klassischen Ballette. Doch endlich bekam Dagmar Kronberger die Chance zu zeigen, wie gut sie wirklich ist. Sie tanzte die Anna Karenina mit emotionalem Engagement und Ausdruck. Das ist umso bemerkenswerter als gerade dieses Stück aufgrund seiner tanztechnischen Schwierigkeiten den InterpretInnen wenig Raum zur Rollengestaltung lässt: so viele komplizierte Schrittkombinationen müssen ausgeführt werden, so schnell wechseln die Positionen, so artistisch sind die Posen in den pas de deux (siehe
auch Kritik vom 24. November). Doch trotz mangelnder Routine meisterte die attraktive Ballerina die vertrackte Bewegungssprache von Boris Eifman eindrucksvoll. Eno Peci legte die Rolle des Karenin nicht so sehr als kaltschnäuzigen Beamten an. Vielmehr kämpft der enttäuschte Ehemann verzweifelt um die Liebe seiner Frau. Ivan Popov gibt sich als Graf Wronski anfangs sehr selbstverliebt, aber besonders im zweiten Akt gelingt ihm eine differenzierte Rollengestaltung.
Auch bei dieser Vorstellung gilt der größte Applaus dem Corps de ballet, das sich den Eifmanschen Bewegungsduktus mit Verve und technischer Genauigkeit angeeignet hat. Eine rundum gelungene Aufführung, auch dank des Orchesters der Volksoper Wien unter der sorgsamen Stabführung von David Levi.
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Edith M. Wolf Perez |
Online am: 15.12.2006, © www.tanz.at |