Kindgerecht hinterfotzig |
Die Uraufführung von Felix Mitterers Oper "Das tapfere Schneiderlein" für Kinder ab 6 Jahren begeisterte auch ältere Semester |
Das tapfere Schneiderlein, Dschungel Wien, 08.12.2006. |
Sehr viele Opern für Kinder von zeitgenössischen Komponisten fallen mir nicht ein, aber Wolfgang Mitterers "Das tapfere Schneiderlein" nach dem gleichnamigen Grimm-Märchen hat durchaus das Zeug, zum festen Repertoire dieses Genres zu werden. Die von der Wiener Taschenoper in Auftrag gegebene Komposition hatte im Dschungel am 8. Dezember seine Uraufführung. Die Musik erschafft im wahrsten Sinne die Klangwelt des Märchens. Da brummen die Fliegen, grunzt das Wildschwein fürchterlich, bringen die Riesen die Welt mit ihren sonoren Organen zum beben. Da ist das tapfere Schneiderlein einmal Hasenfuss, dann unerschrockener Held und die Prinzessin zieht alle Register einer verwöhnt-zickigen Göre. Es läuten die Hochzeitsglocken, nachdem das Schneiderlein eine Reihe von Tests bestanden hat, doch als die Prinzessin erfährt, dass ihr Held und Prinz nur ein Schneider ist, will sie ihn ganz schnell los werden. Am Ende lernt das Schneiderlein, dass es sich auf niemanden als sich selbst verlassen kann und kehrt als strahlender Sieger in das Königsreich heim, das ihn auf ein weiteres Abenteuer ausgeschickt hatte - damit er getötet werde. Das Libretto von Helga Utz ist kindgerecht hinterfotzig, ist aber mit seiner Ironie auch für das erwachsene Publikum ein Vergnügen. Für die gelungene Inszenierung sorgte Jewgenij Sitochin und ein Sänger-Schauspielerensemble wie aus dem Bilderbuch: Elisabeth Rombach als verschmitztes, gut gelauntes Schneiderlein, Theresa Dlouhy als nervige Königstochter, Juergen Maurer als dämlicher König. Gebhart Heegmann und Clemens Kölbl teilen sich die restlichen Rollen auf. Noch zu sehen von 10.-13.Februar 07.
www.taschenoper.at
www.dschungelwien.at
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Edith M. Wolf Perez |
Online am: 11.12.2006, © www.tanz.at |