Da flirrt es und schwebt es und beflügelt das Herz. |
"Waltz & Guests" im Festspielhaus St. Pölten |
Dido & Aeneas, Festspielhaus St. Pölten, 13.10.2006. |
Der Librettist Nahum Tate entnahm den Stoff der Oper "Dido und Aeneas" Vergils Aeneis. Dido, Königin von Karthago verliebt sich in Aeneas, der ihr Gefühl erwidert. Der Zweisamkeit ist keine lange Dauer beschieden, da Jupiter Aeneas zur Abreise nötigt. Dido kann es nicht überwinden, dass er ihr den Abschied gibt. Purcells Oper wurde 1689 in London uraufgeführt. Zu dieser Zeit entdeckte man die Mythen der griechischen Antike wieder und erfüllte sie mit neuem Leben. Der Tanz hatte in der Barockoper durchaus Tradition, man denke nur an Ludwig XIV und die Werke seines Hofkomponisten Lully. Das Motto war: Musik soll den Geist berühren und das Herz beflügeln ... Und das gelingt Sascha Waltz mit ihrer szenisch tänzerischen und Attilio Cremonesi mit seiner musikalischen Interpretation. Am Anfang steht ein großes, quaderförmiges, mit Wasser gefülltes Bassin auf der Bühne, in das die Tänzer eintauchen und wellenartige Bewegungen zu Purcells Musik vollführen, als würden sie aus dem Unbewussten auftauchen, erst für das märchenhafte Geschehen erwachen. In dieser Inszenierung tanzen die Sänger und singen die Tänzer mit ihren Körpern. Sänger und Tänzer sind gleichberechtigt in das Bühnengeschehen integriert. Da flirren und schweben, springen und schreiten die Darsteller zu Purcells wunderbarer Musik. Hervorragend und ein Höhepunkt ist die Gestaltung der Massenszenen. Die gesamte Bühnenfläche aber auch Luftraum, durch fliegende Tänzer auf Aufhängevorrichtungen schwerelos durch die Luft schwebend, wird genutzt. Waltz Stärke ist es, alle Darsteller miteinander zu vernetzen, da winkt zum Beispiel eine Tänzerin einem Geiger und dieser geht an die Rampe und schon ist das Orchester in das Bühnegeschehen miteinbezogen. Waltz choreographiert sehr musikalisch, mit expressiven Arm und Handbewegungen. Vor allem erstaunt die tänzerische Leistung der Sänger, die sowohl mit Stimme als auch mit Körpersprache bestechen. Geschickt und kontinuierlich, beinahe atemlos baut Waltz die Dramaturgie der Handlung, die Spannung schraubt sich von Szene zu Szene höher bis zu einem Punkt an dem nur mehr ein Tänzer das Geschehen darstellt und die Musik für sein Solo verstummt. Didos Klage When I am laid in earth, die bekannte Arie über einem ostinaten Lamento-Bass wird von Aurore Ugolin empathisch interpretiert. Wirkungsvoll umspinnt sie zu dem Gesang ihren Körper mit einem bodenlangen Netz aus ihrem Haar. Der Jubel des Publikums wollte nicht enden.
Festspielhaus St. Pölten, www.festspielhaus.at
Sasha Waltz & Guests www.sashawaltz.de
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Elisabeth Pein |
Online am: 16.10.2006, © www.tanz.at |