Verzauberte Mythologie

Ein junges Team erweckt Glucks Oper „Orfeo“ im Schloss Schönbrunn zu neuem Leben

Orfeo ed Euridice, Schloss Schönbrunn, 30.09.2006.

Am Ende triumphiert die Liebe. So will es der Komponist Christoph Willibald Gluck bzw. sein Liberettist Ranieri de Calzabigi. In deren Oper lässt Amor es nicht zu, dass Orpheus an seinem Unglück verzweifelt - er wendet die tragische Geschichte von Orpheus und Eurydike zu einem Happy End.
Die Wiener Taschenoper ist mit der Aufführung von „Orfeo ed Euridice“ eine bezaubernde Umsetzung der 1762 im Wiener Burgtheater uraufgeführten Oper gelungen. Der musikalische Leiter Ferdinando Maffii hat eine musikalisch ausgewogene, feine und sehr lebendige Interpretation erreicht. Das junge, engagierte Team überzeugte rundum: das Orchester Laterna Magica, der Webern Kammerchor der Universität für Musik Wien und die ausgezeichneten SolistInnen. Dominica Hirschler (die bei einigen Aufführungen, so auch bei der Dernière Georg Nigl ersetzte) hat eine wunderbare Stimme mit warmen Timbre , Theresa Dlouhy meistert die Koloraturen der Eurydike leicht und luftig und Elisabeth Rombach ist verzaubert als frischer und verschmitzter Amor.
Die Choreografin Jennifer Lacey, die ihre erste Operninszenierung realisierte, fügte zwei Tänzerinnen (Andrea Stotter und Sabile Rasiti) als Zeremonienmeister ein, die die handelnden Figuren durch das Geschehen begleiten. Die reduzierte Raum- und Kostümgestaltung - auch das Publikum bekam gelbe Halskrausen - fügt sich blendend in das grandiose Ambiente des Schönbrunner Zeremoniensaals ein (leider konnten bei der Derniere aufgrund von Problemen mit dem Strom nicht alle Stimmungswechseln richtig beleuchtet werden). Eine gelungene Symbiose aus historischer Akribie und zeitgenössischem Stil und ein rundum beglückender Abend!

Edith M. Wolf Perez

Online am: 04.10.2006, © www.tanz.at


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