Gala ohne Glamour

Das Ballett der Wiener Staatsoper und Volksoper präsentierte bei seiner Gala ein bunt gemischtes Programm und den neuen Publikumsliebling Daniil Simkin.

Ballettgala, Wiener Volksoper, 21.09.2006.

Gleich fünf Mal gibt es die Ballettgala, mit der das Ensemble der Wiener Staatsoper und Volksoper am 21. September die Tanzsaison 2006/07 in der Volksoper eröffnete. Auf dem Programm standen typische Gala-Stücke des klassischen Repertoires, ein Tanz von Ben Cauwenbergh, zwei Choreografien vom Staatsoperntänzer Andras Lukas und ein Stück von Raza Hammadi.
Als Gäste waren Giuseppe Picone und Rainer Krenstetter gekommen, dessen Karriere seit seinem Abgang aus Wien eine erfreuliche Entwicklung genommen hat: Er ist mittlerweile Solotänzer beim Staatsballett Berlin.
Ballettchef Gyula Harangozó nahm die Gelegenheit aber vor allem zum Anlass, seine neuen Tänzer vorzustellen. Soviel ist augenscheinlich: Das aus den ehemals getrennten Ensembles aus der Wiener Staatsoper und der Wiener Volksoper hervorgegangene Ballett wird zunehmend russisch, wobei das tänzerische Niveau keineswegs einheitlich ist. Im Grand Pas aus „Paquita“ präsentierten sich Olga Esina und Vladimir Shishov mit ausgezeichneter Technik. Technisch solide auch Elisabeth Golibina und Ivan Popov im „Schwanensee“-Adagio und Aliya Tanikpaeva und Gregor Hatala im Pas de deux aus „Le Corsaire“. Irina Tsymbal zeigte im Pas de deux aus „Dornröschen“ (Partner: Giuseppe Picone) nicht das erste Mal technisch grobe Schwächen.
Was diesen Paaren aber fehlte, war Glanz und Glitzer - sollten denn bei einer Gala der Virtuosität nicht die berühmten Funken sprühen? Bei diesem Abend an der Volksoper hatte man eher das Gefühl, dass die Nummern brav und bieder abgetanzt werden. Fairerweise muss auch gesagt werden, dass es für die (neuen) TänzerInnen schwierig, wenn nicht unmöglich ist, in wenigen Minuten einen nachhaltigen Eindruck zu vermitteln. Erschwerend kam hinzu, dass das Orchester (Leitung: Andreas Schüller) im ersten Teil des Abends eher wie eine Kurkapelle als ein Opernorchester klang. Erst bei „Paquita“ hatten die Musiker ihre Noten in den Griff bekommen.
In den klassischen Variationen konnte nur Kathrin Czerny und Rainer Krenstetter mit ihrer Ausstrahlung überzeugen - und das trotz der billig wirkenden Kostüme, die man für den Pas d'esclaves aus „Le Corsaire“ im dem Fundus ausgegraben hat.
Bei den Kostümen hat auch András Lukács schwer daneben gegriffen. In dessen Choreografie „Whirling“ musste Mihail Sosnovshi in einem hautengen schwarzen Latex-Body tanzen, in „Connection“ steckten Dagmar Kronberger und Lukács in unvorteilhaften schwarzen Samtbodies. Die neoklassische Tanzsprache wäre vermutlich in einfachen Ganzkörpertrikots besser zur Geltung gekommen. Die von Philippe Combeau für den „Paquita“-Pas de deux kreierten Kostüme waren eine willkommene Abwechslung an einem Abend, bei dem die Mode in den 70er Jahren (und davor) stehen geblieben zu sein schien.
Eine Ausnahme machten da die grauen, zeitlosen Kleidung in der einzigen Uraufführung des Abends, „P.O.G.L.A.C.E.“ von Raza Hammadi, bei der die vorwiegend Volksopern-Tänzer engagiert waren (denn trotz der Fusion gibt es de facto zwei Kompanien).
Zwei Solos waren die Highlights der Gala: Denys Cherevychko tanzte bravourös einen Gopak as „Taras Bulba“ im passenden folkloristischen Kostüm.
Der Liebling des Wiener Publikums wird aber mit Sicherheit Daniil Simkin werden. Der 18-jährige Tänzer ist Insidern durch seine erfolgreichen Teilnahmen beim ÖTR-Contest (2001 und 2004) in bester Erinnerung. Auch in Ben Cauwenberghs „Les Bourgeois“ zum gleichnamigen Jacques Brel Chanson, präsentiertete sich Simkin als ungemein gelenkiger, ausdrucksstarker und charmanter Tänzer.

Edith M. Wolf Perez

Online am: 22.09.2006, © www.tanz.at