Die Spriale dreht sich ein und wieder aus

So What von Akemi Takeya ist eine Art Rückschau auf Kunst und Leben

So What, Kasino am Schwarzenbergplatz, 09.08.2006.

Zwiespältig ist der Eindruck, den Akemi Takeya mit ihrer zehnten Performance vermittelt. Zum ersten Mal arbeitet die Solistin mit einem großen Team: Armin Anders wirkte als Dramaturg mit, Frank Poelstra als künstlerischer Begleiter und die Berliner Gruppe Rechenzentrum (Marc Weiser, Musik; Lillevan, Video) ist für das optische und akustische Drumherum engagiert. Entstanden ist bunte mehrteilige Retrospektive auf Takeyas künstlerisches und (was die Kindheit betrifft) auch privates Leben.
So beginnt So What mit einer Videomontage aus Bildern vorangegangener Produktionen der Künstlerin. Als Mädchen mit Zöpfen und ohne Schuhe tritt die in Wien lebende Japanerin, „aufgewachsen in einer Machowelt“, wie sie selbst sagt, persönlich auf und erzählt von ihren ersten Schritte in die Welt: „Mit fünf wollte ich Klavierspielerin werden. Der Vater sagte nein.“ Auch Sängerin, Schauspielerin und gar Pornostar schwebte ihr als Beruf vor. Der Vater sagte nein. „Mit zwanzig ging ich von zu Hause fort. Endlich hat mein Leben begonnen. Mit zwanzig!.“ Takeya erzählt mit klarer Stimme, von verschämtem Kichern unterbrochen. Rührend und berührend. Die Frau weckt Interesse. Die Erzählung wird kurz als Tanz wiederholt. Eine kreisende spiralförmige Bewegung wird zum zentralen Thema.
In einem fröhlichen Zwischenteil versucht Takeya als Filmstar den Kontakt zum Publikum herzustellen. Notdürftig gelingt das nach ungezählten Versuchen. Während Textfragmente über Tanz und Butoh über die Leinwand laufen, verfällt der Körper der Tänzerin, aus dem kleinen Mädchen, dem schillernden Star wird eine alte Frau. In einer in der sie an den Butoh, den Tanz der Finsternis, anknüpft und mit ihrer eigenen Sprache verwebt, werden die japanischen Wurzeln berührt.
Um das gesamte Spektrum ihrer Talente zu zeigen, frappiert Akemi Takeya auch mit sicher vorgetragener Stimmakrobatik und gibt einen kurzen Einblick in die Kunst des Samisen-Spiels, das sie ebenfalls studiert hat. Der letzte Teil ist dann purer Tanz, schwungvoll und beherrscht, immer aber um sich selbst kreisend, in senkrechten oder horizontalen Spiralen. Rechenzentrum hat dazu eine rhythmische angenehme Musik gebaut und das Spiralmotiv auf der Großbildleinwand visualisiert. Die sich je nach Betrachtungsweise nach innen oder außen drehende Spiralen üben einen Sog aus, der die Augen von der zarten sich einsam auf der Bühne drehenden Tänzerin ablenkt und auf die bunten Bilder zieht. Immer wieder gewinnt Rechenzentrum gegen Takeya, optische Spielerei aus dem Computer gegen den so leise sprechenden Körper.
Der Schluss ist ein wenig platt. Der Öl beschmierte Körper dreht auf dem Boden liegend unaufhörlich im Kreis. Wir wissen es bereits: Die Spirale ist das Motto der Performance.
So What ist im Rahmen von ImPulsTanz zum ersten Mal öffentlich gezeigt worden, darf daher den Bonus einer Uraufführung für sich in Anspruch nehmen: Da ist noch einiges zu tun bis ein Stück daraus wird. Was bleibt ist die Bestätigung der Erfahrung, die Akemi Takeyas Publikum bereits im Lauf der Jahre gewonnen hat: Eine kluge Tänzerin, die ein eigenes Vokabular entwickelt hat, ihren Körper beherrscht und sich mit ihm (auch Stimme und Atem sind Körper) ausdrücken und auch verständlich machen kann. Doch bleibt nach diesem ein wenig zerflatterten Rückblick der Eindruck, dass sie noch immer nicht genau weiß, was sie wirklich will.

Ditta Rudle

Online am: 10.08.2006, © www.tanz.at