Wie im Nu |
Maguy Marins Essay über die Beiläufigkeit des Seins |
Umwelt, Volkstheater, 21.07.2006.
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Die französische Choreografin Maguy Marin hat einen deutschen Titel für ihr 2004 kreiertes Stück Umwelt gewählt wie so oft findet sich in einer fremden Sprache eine Vieldeutigkeit in einem Begriff, der unmöglich in seiner Knappheit in eine andere zu übertragen ist. Örtlich und zeitlich, physisch wie geistig fügt sich die Existenz in ein Geflecht das sich selbst und seinen Kontext permanent verändert, verschiebt und versetzt, um sich daraus neu zu konfigurieren ernsthaft und unermüdlich, eitel und hoffnungsfroh und am Ende doch vergeblich. Über die Vielheit und die Kürze des Seins in seinen Variationen und Kombinationen, Repetitionen und Multiplikationen reflektiert Maguy Marin in Umwelt. Ihre neun Tänzer und Tänzerinnen spannt sie in eine rasante Endlosschleife, zwischen Blöcken aus Spiegeln und Plexiglas huschen sie für kurze Augenblicke durch die Wirklichkeit, um als Skizze ihrer selbst schon wieder hinter der Kulisse zu verschwinden. Es ist ein ständiges Spiel zwischen Wirklichkeit und Träumerei, Verzerrung des Sichtbaren und Mystifizierung des Unsichtbaren, zwischen dem, was ist und was sein könnte. Nur wenige Male unterbricht das Licht diese unzähligen, wie eine Filmspule vor- und manchmal auch zurücklaufenden Andeutungen vom Sein und legt eine Realität in Schutt und Staub bloß. Betäubt von der unerlässlich dröhnenden Musik, langsam ermüdend von der Monotonie dieser konsequenten Aneinanderreihung banaler wie expressiver Momentaufnahmen, gleitet man hinein in den Bann von Marins scharfem Blick auf die Welt und ihrer unerbittlichen Bildmaschine.
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Karin Schiefer |
Online am: 25.07.2006, © www.tanz.at |