Salzburger Eröffnungsfest der Festspiele

Mozart macht´s möglich – unter Mozarts Jahresregentschaft erhält der Tanz einen neuen, bedeutsamen Stellenwert

Idomeneo, Haus für Mozart, 22.07.2006.

Anlässlich der Eröffnung der Salzburger Festspiele am 22.Juli wurde die „Idomeneo“-Chaconne aufgeführt – zuvor war sie bereits am Tag der offenen Tür im neu gestalteten Haus für Mozart am 25.Juni zu sehen.
Es ist das Verdienst von Produktionsleiterin Gunhild Oberzaucher-Schüller, dass diese Umsetzung (mit finanzkräftiger Sponsorunterstützung) möglich wurde. Mozarts Nahverhältnis zum Tanz ist bekannt – und so verwundert es nicht, dass er in einem Brief an Vater Leopold seiner Freude darüber Ausdruck verlieh, das damals übliche Ballettdivertissement im Opernfinale selbst komponieren zu dürfen. Somit stammt die gesamte Komposition von „Idomeneo“ aus einer Feder.
Die bei Opernaufführungen meist gestrichene Musik wurde von Claudia Jeschke und Sybille Dahms (Dramaturgie/Inszenierung/Choreographie) aufbereitet. In der aktuellen Umsetzung wird auf die seinerzeit typischen Bewegungsformen zurückgegriffen und in einem im wahrsten Sinne des Wortes schrittweisen Prozess in heutiges Tanzvokabular überführt – inklusive Kleiderwechsel auf offener Bühne. Diese Generationen übergreifende Auseinandersetzung ist symbolhaft und dreifach zu sehen: so zwischen Vater und Sohn Mozart, den Opernfiguren Idamante und Idomeneo sowie zwischen Gaetano und August Vestris, den berühmtesten Tänzern der musikalischen Entstehungszeit des Werkes. Nicht umsonst wurde Vater Vestris als „dieu de la danse“ gefeiert und der Junior war im fortgeschrittenen Alter von 74 Jahren noch der Partner der berühmten romantischen Ballerina Marie Taglioni.
Die Kostüme wurden nach historischer Vorlage aus den Derra de Moroda Dance Archives der Universität Salzburg von Dorothea Nicolai originalgetreu rekonstruiert.
Der Österreicher Rainer Krenstetter, Solist beim Staatsballett Berlin, ist der überzeugende Interpret des 15minütigen Solos. Mit respektvoller Majestätik zelebriert er die ungewohnten Schrittfolgen des Historischen Tanzes, steigert sich in raumgreifende Sprünge und Pirouetten in der Gegenwartsannäherung. Eine interessante Tanzdemonstration, die von der Konzeption her noch vertiefend ausbaufähig wäre.
Am Beginn stand eine szenische Aufbereitung (Inszenierung: George Tabori) der rezitierten Bäsle-Briefe. Die deftig-heftige Sprache Mozarts ans Bäsle-Häsle wurde mit viel Animo von Sunnyi Melles präsentiert, congenial unterstützt durch Jeff Cohen am Klavier.
Dieser Abend im neuen Haus für Mozart war nur einer von vielen Programmpunktenn, die an zahlreichen Plätzen in der Salzburger Innenstadt zu den Festspielen einluden.

Ira Werbowsky

Online am: 25.07.2006, © www.tanz.at