Sag beim Abschied ...

Das NDT III gab in Wien die letzte Vorstellung vor seiner Auflösung

Birth-Day / Couple of Moments / Two Faces , Museumsquaertier, Halle E, 28.06.2006.

Die Idee war großartig und wurde von der internationalen Tanzwelt bejubelt: Vor 15 Jahren gründete Jiri Kylián, damals noch künstlerischer Leiter des Nederlands Dans Theater eine Kompanie für TänzerInnen zwischen 40 und 60. Seither haben die reifen TänzerInnen – unter ihnen Sabine Kupferberg, Gérard Lemaitre, Egon Madsen – Choreografen wie Mats Ek, Hans van Manen, William Forsythe, Christopher Bruce, Jennifer Muller oder natürlich Jiri Kylian für einzigartige Arbeiten inspiriert und das Publikum begeistert. Die Inszenierung von Robert Wilson, „2 Lips and Dancers in Space“ Ende 2004 ist über die Maßen aus dem budgetären Ruder gelaufen und brachte dennoch nicht den erwarteten Erfolg – und so wird das Projekt NDT III jetzt gleich ganz eingespart.
In Wien gab es aber keinen leisen Abschied, sondern ein klamaukiges Ende mit der Choreografie „Birth Day“, die Jiri Kylián seiner langjährigen Haupttänzerin, Muse und Ehefrau Sabine Kupferberg zum 50. Geburtstag geschenkt hat. Die Arbeit aus dem Jahr 2001 ist eine Slapstick-Collage zu Mozart-Musiken, die zwischen einer Abendgesellschaft auf der Bühne und Videoszenen hin- und herpendelt. Das Werk hat nichts von dem feinen Humor, den Kylián in seinen Mozart-Choreografien „Petite Mort“ und „Sechs Tänze“ (unter anderem im Repertoire des Balletts der Wiener Staatsoper und Volksoper) angewendet hat, sondern schleudert deftig die Witzkeule – immerhin sehr zum Gaudium des Publikums.
Davor konnten aber Giocanda Barbuto und David Krügel in zwei Pas de deux ihr tänzerisches und interpretatorisches Können unter Beweis stellen. In Johan Ingers „Couple of Moments“ tanzen sie die Höhen und Tiefen der Liebe, die ekstatischen Freuden, die kleinen Aggressionen, die Langeweile, die Zärtlichkeit mit dem Schatz ihrer Lebenserfahrung. In Hans Van Manens "Two Faces" wird das gegenseitige Abtasten der beiden Maskierten zu einem immer stärker werdenden zueinander Drängen, das sie die Maske ablegen lässt.
Und so war die Darbietung dieser Beiden der eigentliche Grund zur Trauer, dass diese Kompanie nicht mehr ist und man diese wunderbare tänzerische Emotionalität nicht mehr erleben wird können.
www.ndt.nl

Edith M. Wolf Perez

Online am: 30.06.2006, © www.tanz.at