Goldener Löwe der Biennale von Venedig für Carolyn Carlson

Mina Yoo, Shin Chang-Ho und Ismael Ivo gratulierten kreativ

Biennale von Venedig, 25.06.2006.

Zum ersten Mal in der über hundertjährigen Geschichte der Biennale von Venedig ging am 25.Juni 2006 ein „Goldener Löwe“ an den Tanz: Carolyn Carlson erhielt ihn erstens für ihre Aufbauarbeit bei „biennaledanza“, der Tanzschiene der Biennale, die sich mittlerweile als internationales Festival für zeitgenössischen Tanz einigen Ruf erwarb, besonders wegen der großen Zahl an Uraufführungen und spartenübergreifenden Projekte sowie der Präsentation neuer, zumindest in Europa nicht bekannter Kompanien. Zweitens sollte mit der Auszeichnung auch Carlsons Wirken in und für Venedig im Allgemeinen gewürdigt werden – war sie doch die erste und einzige Tanzschaffende, die dem Teatro La Fenice und auch Italien (!) über Jahre hinweg ein zeitgenössisches Tanzprogramm bescherte. Als erster Gratulant stellte sich neben den Alt- und Neu-Biennale-Präsidenten Baratta und Croff an diesem letzten Festivalabend 2006 Ismael Ivo mit einem fulminanten Stück für die koreanische Compagnie „Laboratory Dance Project“ ein, die selbst zwei Werke mitbrachte: „Active Zone“ und „No Comment“, rhythmusgeprägte und poetische Choreografien von Mina Yoo bzw. Shin Chang-Ho, die bereits das gute Niveau der Truppe zeigten. Ivos Stück „Fragments“ liegt Heiner Müllers „Medea Material“ zu Grunde bzw. auf der Haut der Tänzer, denn sie beschreiben sich zu Beginn eifrig mit (laut Ivo) Müller-Text. Mit Fragmenten, die dann so frei und dekonstruktivistisch in Tanz umgesetzt werden, wie Müller sie meinte. Jedes Paar ist hier Medea und Jason in einem unendlichen Wechsel von Solos, Duetten und jagender Gruppe. Es rollen Äpfel und ständig die Körper in der Spannung zwischen Mann und Frau. Bis sich zum lauten, nervenden Percussion-Sound Zusammenhangloses letztlich doch zum kompakten Ganzen fügt. Ivo hat diesen Tänzern nicht nur Müllers Text sondern auch eine gute Choreografie auf den Leib geschrieben.
Ismael Ivo war zuvor mit der Produktion "Illuminata" bei der diesjährigen Biennale vertreten >>>Kritik dazu lesen

Andrea Hein

Online am: 30.06.2006, © www.tanz.at