Beda Percht choreografierte im Steinbruch

Im Zweifel für den Angeklagten

Die Orestie, Krastaler Marmorsteinbruch, 24.06.2006.

Wer in der Tanzwüste Kärnten hie und da neuen professionellen Tanz sehen will, muss sich in das kleine, aber feine Avantgarde- Theater „ neuebuehnevillach“ begeben. Das im Sommer eine edle „Ausweiche“ bespielt: den eindrucksvollen Krastaler Marmorsteinbruch. Nach „Agamemnon“ (2005) standen heuer Teil zwei und drei von Aischylos’ „Orestie“ zu einem Stück vereint auf dem noch bis 4.Juli laufenden Programm: als effektvolle Collage aus Wort und Musik, Tanz, Feuer und Licht ernteten „Totenspende“ und „Eumeniden“ verdienten Premierenapplaus. Zur Umsetzung seines Konzepts holte sich neuebuehne-Chef Michael Weger ein solides Team: Choreograf Beda Percht weist nicht nur den Protagonisten den rechten Weg zu starken Bildern, sondern lässt auch zwei Tänzerinnen die blutige Geschichte vorantreiben, wobei vor allem Natali Radelic einen sehr sensiblen künstlerischen Zugang zu Aischylos findet und zur Lichtgestalt des Abends wird. Thierry Zaboitzeff sorgt für die Live-Beschallung mit tollen Sampling-Effekten. Dazu spielen Martin Kratochwill und Ernst Hubman effektvoll mit Licht und Feuer. Edel die Kostüme von Michaela Wuggenig. Das Publikum sitzt links und rechts der drei Schauplätze, also dicht am Geschehen: Heimkehr, Opfer, Rache, Prozess und Freispruch des Orest (überzeugend: Michael Weiss) vollziehen sich zwischen Agamemnon-Grab, Treppenbühne und Heiligtum der Pallas Athene (mit Skulptur von Helmut Machhammer) klar und spannend. Die pfauchenden, von der zweiten Tänzerin, Estela Zutic, angeführten „Cats“- ähnlichen Erinnyen sind Geschmacksache, bringen aber ordentlich Pep ins berühmte, finale „Im Zweifel für den Angeklagten“. (www.neuebuehnevillach.at)

Andrea Hein

Online am: 30.06.2006, © www.tanz.at