Illuminata |
Ismael Ivo mit neuem Stück in Venedig und Bozen |
Illuminata, Biennale von Venedig, 08.06.2006. |
Illuminata nennt Ismael Ivo sein neues Stück, mit dem das 4.Festival Internazionale di Danza Contemporanea der Biennale von Venedig, das er seit zwei Jahren leitet, eröffnet wurde und das auch am Beginn des mitproduzierenden Tanzsommer Bozen steht. Ivo verarbeitete darin eine Todeserfahrung, die er bei einem Unfall vor dreizehn Jahren machte. Ausführlich schildert er zu Beginn aus dem Lautsprecher, was er im OP-Saal wahrnahm, die Gespräche der Ärzte, die Hoffnung... Dann legt er sich auf Eis: ein schöner schwarzer Körper auf einem weißem Block, der sich wie die Zuschauer im verspiegelten Hintergrund wiederholt. Plötzlich bricht die Starre, wirft sich der Mann vom Lager und es kann beginnen: Eine Mischkulanz aus gängigen Elementen und Ansätzen heutiger Tanzsprachen, die von Ivo und vier weiteren Tänzern (crystal:d) zuerst im Eskimo-Look, dann in biederen weißen Unterhosen beliebig eingesetzt werden, um Körperbeherrschung, Erinnerung, Vorstellung, Emotionen, Kontakte zu aktivieren. Denn vieles war, ist und wird hier offenbar zugeschüttet. Es regnet aus Sandsäcken von der Decke. Dann kippen die Spiegel, geben den Blick auf das Orchester (Accademia Neue Musik Bolzano unter Pier Paolo Mariuzzi) frei. Ein schöner, befreiender Augenblick. Endlich kommt Licht in die kalte Düsternis. Und etwas mehr Leben in Arnaldo De Felices Musik. Vor allem, wenn weiblicher Besuch kommt: eine Sängerin, eine Flötistin... Immer wieder erscheint Ivo solo, lässt seine Muskeln spielen in bekannter Manier, während seine (ebenfalls bekannten) Posen und Sprünge entbehrlich sind. Und ihn letztlich doch wieder aufs Eis zurückführen. Zuvor glättete er noch den Sand auf dem Boden, auf dem die Tänzer zuvor ein Spurenbild zogen. Na ja. Helge Björn-Mayers Dramaturgie ist etwas langatmig, doch insgesamt gelungen, meisterlich das schlichte und doch sehr edle Bühnenbild von Marcel Kaskeline.
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Andrea Hein |
Online am: 19.06.2006, © www.tanz.at |