Rosen und Tränen |
Ditta Rudle schwärmt noch einmal von Shoko Nakamura als Dornröschen. Mit dieser Glanzleistung verabschiedete sich die Ballerina von Wien Richtung Berlin |
Dornröschen, Staatsoper Wien, 14.06.2006. |
Warm schmeichelt die Kantilene des Cellos, nahezu makellos klingen die Hörner, energisch und einfühlsam leitet Kevin Rhodes das Orchester. Auch sonst stimmt so ziemlich alles bei diesem Dornröschen, dem zweiten, das Shoko Nakamura als Solistin des Balletts der Wiener Staatsoper und Volksoper tanzt. Zugleich das letzte. (siehe >>> Shoko Nakamura geht nach Berlin in PEOPLE)
Sanft ohne zu rasseln und zu klirren sinkt die Hecke zu Boden, zierlich variieren die Feen ihre Schritte, anmutig sinkt der Hofstaat in den hundertjährigen Schlaf und erwacht mit angemessener Grazie zu neuem Leben, dem es, von Pauken und Trompeten angetrieben, eiligen Schrittes entgegenmarschiert. Grand Finale mit einem Traumpaar. Prinz Gregor Hatala und Prinzessin Nakamura tanzen auf den Wogen des überbordenden Applauses. Der Jubel will nicht enden, es regnet rote Rosen, der Dirigent ist entzückt, tiefer Blick in die Augen, inniger Handkuss; noch mehr rote Rosen, Florimund umarmt seine Aurora, Knickse und Tränen der Rührung und der Blumenregen will nicht enden. Von der Direktion lässt sich keiner blicken. Nicht nur Prinzessin und Prinz werden beschenkt, auch anderen gilt Dank und Strauß: den beiden Feen, Dagmar Kronberger als die gute und Alexandra Kontrus als böse; dem Blaue Vogel, Mihail Sosnovschi, der elegant über das Loch am Knie im weißen Strumpf hinweg sprang und sich überdies als überaus gewandter Fänger von fliegenden Sträußen zeigt; Maria Yakovleva, der verzauberten Prinzessin und, vom Publikum immer geliebt, Katze Alba Sempere mit Kater Lukas Gaudernak. Nakamuras Aurora hat Choreograph Sir Peter Wright bereits während des Rollenstudiums gelobt und in der ersten Vorstellung dieses Debüts am 8. Juni bestätigte sie bravourös: sie ist Aurora. Am zweiten und zugleich letzten Abend gelang ihr besonders der zweite Akt. Als unwirkliche Erscheinung aus dem Traumreich umschwebt sie, verlockend und unerreichbar zugleich, den suchenden Florimund. Kevin Rhodes, Liebling des Ballettpublikums so wie so und zu Recht, ist es sogar gelungen, die oft aufkommende Langeweile im letzten Akt durch straffes Tempo fern zu halten und den Grand Pas als nicht zu versäumenden Höhepunkt zu dirigieren. Bei so viel Emotion müssen beckmesserische Anmerkungen, vor allem die Herren Tänzer betreffend, ungesagt bleiben. Dieses Dornröschen war eben mehr als eine gewöhnliche Repertoireaufführung. Triumph und Abschied zugleich. Hochrufe und Tränen, Rosen und Küsse und von der Direktion keines (offiziellen) Blickes gewürdigt.
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Ditta Rudle |
Online am: 16.06.2006, © www.tanz.at |