Sonne und Mond statt Kasperl |
Manchmal ist der text im Programmheft schöner als das Programm. Von der versprochenen Wohlfühlstimmung war bei der Wiederaufnahme von Plüsch nichts zu spüren.
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Plüsch , Dschungel Wien, 12.06.2006. |
Möglich, dass sich die Geschichte von den beiden Geschwistern, die in ihrem Plüschbett vom Mond auf eine Reise zu Land und zu Wasser eingeladen werden, im Lauf der Monate verändert und verwässert hat. Das in Ankündigungen und Programmergänzungen Versprochene war jedenfalls weder zu sehen noch zu spüren, auch wenn allerlei Plüschiges vom Kuscheltier bis zur Pyjamaborte vorkam. Was dem Stück, einer Eigenproduktion von Dschungel Wien, vor allem abgeht, ist der dramaturgische Bogen. Wahllos wird da Szene an Szene gereiht, die meisten viel zu lang und auch belanglos. Auch die Musikauswahl (alte Schlager, die Eingangstakte der Kleine Nachtmusik, Sandie Shwas Hit von 1967 Puppet on a String
) scheint beliebig und beziehungslos. Konzept und Choreografie für Anna Reitbauer und Martin Török (Tanz) stammen von Isabel M. Nowak. Und danach stehen auf der Liste der Beteiligten noch viele Namen eine aufwändige Produktion offensichtlich, mit zum Video animierten Zeichnungen aufgepeppt. Kaum flatterte ein Schmetterling über den Himmel, kroch eine Raupe durchs Gras oder hüpften die Heuschrecken von Halm zu Halm, war den anfangs ängstlichen später nur noch unruhigen ZuschauerInnen völlig egal, was die beiden Traumreisenden vorne taten die Fernsehgeneration reagiert auf das was sie kennt die Konserve. Nicht unbedingt eine Königsidee, ihnen diese zu bieten, wenn über oder mit Tanz gesprochen werden soll, wenn man denn ein paar Schulterwürfe und den Heuschrecken nachempfundene Hüpfer denn als Tanz bezeichnen kann. Eher erinnerte die Darbietung an eine Kasperlvorstellung ohne Krokodil, deshalb nutzten erfahrene Theaterhäschen auch jede Gelegenheit, zu Johlen und Gelächter. Es sei ihnen nicht missgönnt. Zwanzig Minuten, also die Hälfte der Zeit saß die Dreijährige neben mir mit dem Rücken zur Bühne, dann hatte sie ihre Angst abgelegt, drehte sie sich kurz um, bewunderte die bewegten Effekte auf der Videowand, um dann zu fragen, wann es denn aus sei. Alles, was so im Zuschauerraum passierte, war bei Weitem interessanter als das lahme Geschehen auf der Bühne: Ein blond gelockter Zwerg kletterte unermüdlich die Sitzbänke bis zur letzten Reihe hinauf und wieder hinunter zur Mama, ein schwarzer Rawuzzel tanzte immer wieder auf die Bühne, wo er keineswegs willkommen war, eine Ballerina tat das Gleich in der Sitzreihe, bewundernswert entspannt und geschmeidig und zwei artige Mädchen steckten den Daumen in den Mund und schlossen ihre Äuglein. Ganz ohne Kuscheltier. Sie hatten wohl das Programmheft nicht gelesen.
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Ditta Rudle |
Online am: 13.06.2006, © www.tanz.at |