Berauschender Schwanensee

Igor Kolb als Siegfried und Alina Somova als Odette/Odile

Schwanensee, Wiener Staatsoper, 27.04.2006.

Vor etwas mehr als einem Monat lautete der Titel „Unterkühlter Schwanensee“, nun hat er sich zu berauschenden Höhen aufgeschwungen und das lag nicht allein an den Gastsolisten vom St. Petersburger Mariinsky Theaters. Igor Kolb war ein grandioser und ausdrucksstarker Siegfried, der vom ersten bis zum letzten Auftritt die Bühne beherrschte. Was der jungen Alina Somova als Odette/Odile (noch) an künstlerischer Reife fehlt, macht sie durch eine atemberaubende Technik wett. Ihr lag daher die Rolle der temperamentvollen Odile viel besser als die lyrisch gefühlvolle, weiße Odette. Dennoch: die beiden sind so gut aufeinander eingespielt, dass sie allemal ein aufregendes Tanzpaar bilden.
Diese Spitzenleistung inspirierte auch die übrigen Mitwirkenden: Elisabeth Golibina, Shoko Nakamura, Kirill Kourlaev und Ivan Popov als Gefährten des Prinzen sowie das gesamte Corps de ballet, das im ersten und dritten Akt richtige Festtagsstimmung aufkommen ließ. In den weißen Akten glänzte das Ensemble durch Gleichklang und Harmonie.
Auch das Staatsopernorchester hat sich mit dem musikalischen Leiter Jendrik Springer mittlerweile verständigt und spielte himmlisch tänzerfreundlich.
Die Flaute der Wiederaufnahme im März ist damit großartig überwunden. Man spürt, dass die Kompanie von der Last der (Onegin-)Premiere befreit ist.

Im Mai gabs dann einen "hausgemachten Schwanensee" >>>lesen

Edith M. Wolf Perez

Online am: 02.05.2006, © www.tanz.at