Alternativer Onegin |
Onegin, Wiener Staatsoper, 10.04.2006. |
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Wenn die Premiere vorbei ist, werden die Beine leichter, die Drehungen flüssiger, der Witz schärfer. Was das Corps de Ballet betrifft, war die zweite Vorstellung von John Crankos Onegin (einstudiert von Jane Bourne und Ivan Cavallari) ein Erlebnis. Heiter und gelöst tanzten die Damen und Herren im ersten Akt und hatten im dritten noch genügend Energie, um all die launigen Ideen Crankos, mit denen er die greise Gesellschaft am Hof des Fürsten Gremin (Gregor Hatala, stabil und charmlos) charakterisiert, pointiert zur Geltung zu bringen. Gegen den vergrübelten und in seiner Abwesenheit so überaus attraktiven Onegin Jirí Jelineks zu bestehen, ist keine leichte Aufgabe. Ivan Popov, ehemalige Koryphäe am St. Petersburger Mariinsky Theater, kann mit Technik nicht ausgleichen, was ihm zum blasierten Dandy fehlt. Jung und unbekümmert, wirkt er eher wie ein unerzogener Junge, denn wie ein vom Leben angeekelter, gefühlskalter Stadtmensch. Simone Noja, zehn Jahre lang Mitglied des Staatsopernballetts und nun als Gastsolistin zu sehen, ist eine ernsthafte Tatjana, die auch im Liebesrausch ihre Gefühle im Zaum zu halten versteht. Unauffällig betritt der Star des Abends die Bühne. Stürmische Begrüßung ist Vladimir Malakhov als Lenski dennoch sicher. Im ersten Akt ist er ein ausgelassenen Bräutigam und Dichter, mehr Eichendorff als Hölderlin und berührt im 2. Akt in der wunderbaren Moll-Variation mit weichen Bewegungen und sanft aufgesetzten Sprüngen. In jeder Faser seines Körpers ist der nahe Tod spürbar. Als seine Partnerin tanzt Natalia Palshina eine spritzige, übermütige Olga, die ihren Bräutigam tatsächlich links liegen lässt, wenn Onegin sie zum Tanz holt. Dass der dem Freund den Fehdehandschuh hinwirft, ist nur allzu gut zu verstehen. Obwohl im Orchestergraben eine bunt gemischte MusikerInnenschar saß, gelang es Vello Pähn wie schon in der Premiere, die von Kurt-Heinz Stolze instrumentierten Tschaikowski-Stücke wunderbar zum Klingen zu bringen. Welcher Besetzung der Vorzug zu geben ist, hängt allein von persönlichen Präferenzen ab, in dieser jedenfalls ist Onegin noch am 16. April zu sehen. Es dirigiert dann András Deri.
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Ditta Rudle |
Online am: 18.04.2006, © www.tanz.at |