Urban Fetishes |
Thai-Dämon und Afrikan Queen |
Pichet Klunchun I am a demon / Sohiatou Kossoko
although
I live inside
my hair will alwasys reach towards the sun
,
Tanzquartier Wien, 07.04.2006.
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Zwei unterschiedliche Solos fasste Regisseur Ong Keng Sen aus Singapur als Kurator der Tanzquartier-Serie Urban Fetishes an einem Abend zusammen. Ernst und heiter, stille Performance und Glitzershow, zurückhaltend die eine, explosiv die andere. Pichet Klunchun, Tänzer und Choreograf aus Thailand, zeigte seine Performance I am a demon als Mischung aus westlichen Tanzelementen und den typischen Bewegungen eines Dämon-Tänzers im Khon-Tanz (einer Form traditioneller höfischer Tanzkunst aus Bangkog). Mein Lehrer hat gesagt, ich bin ein guter Dämon, weil ich die richtige Statur habe: gedrungener Oberköper, kurze Beine, starke Arme, erklärt Pichet Klunchun am Ende der 50 Minuten Erzählung aus einem Tänzerleben. Mit kleinen, konzentrierten Bewegungen erforscht er die Seele des Tanzes, verzichtet aber auf die üblichen Kostüme und Masken eines Dämon-Tänzers. Schade. Mit der westlichen Vorstellung eines Dämons hat die Performance wenig zu tun, eher ist es ein autobiografischer Bericht über des Tänzers Lehrjahre und seine Vorstellung von Tanz. Autobiografisch ist auch Sophiatour Kossokos Show in einer Choreografie der renommierten Regisseurin Robyn Orlin aus Südafrika. Die Tänzerin stammt aus Benin, lebt aber in Frankreich und macht diesen Kultursprung zum Inhalt des Programms. In kurzen Sequenzen zeigt sie, welch großartige Tänzerin sie ist, doch ist ihr Spektakel mehr eine Demonstration der Lebenslust und des Humors, eine ironische überaus witzige Auseinandersetzung mit den Vorstellungen einer weißen Choreografin und den Wünschen einer schwarzen Tänzerin. Ich bin aus Afrika, aber ich bin eine Tänzerin, a modern Dancer, sagt sie immer wieder, während sie sich, lasziv mit dem Hintern wackelnd, bemüht, den Anweisungen Orlins gerecht zu werden: Kinderplanschbecken sollen auf den Stufen der Sitzreihen als Terrassen für einen Wasserfall arrangiert werden. Das Wasser plätschert dann auch tatsächlich, im stetigen Schwall fällt es in ein großes Becken auf der Bühne. Im Gold schimmernden knappen Badeanzug scherzt und plappert Kossoko (keineswegs Sinnloses), versprüht Energie und Charme, um das Publikum in die Vorstellung einzubinden. Weil sie nicht locker lässt und mit Esprit unterhält, klappt das auch. ZuschauerInnen bevölkern die Bühne, waschen sich die Füße in den Becken und beginnen zu tanzen. Sophiatou verlässt die Bühne die Show ist gelungen. Sie hat ihr Publikum erobert. Eines haben die beiden unterschiedlichen Solos gemeinsam: Tänzer und Tänzerin strahlen passionierte Dynamik aus und lassen erkennen, dass sie unter Tanz den Einsatz des Körpers im Raum verstehen, dass es ihnen um den wahren Sinn des Tanzes geht, egal mit welchen Vokabeln dieser ausgedrückt wird.
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Ditta Rudle |
Online am: 10.04.2006, © www.tanz.at |