Getanzte Träume im Feenwald |
Jean Renshaw inszenierte The Fairy Queen von Henry Purcell als Ballettoper im Tiroler Landestheater |
The Fairy Queen, Tiroler Landestheater, 08.03.2006. |
Innsbruck, internationale Hochburg der Alten Musik, leistet sich jetzt auch außerhalb seines bekannten Festivals üppige Barockoper: Henry Purcells aufwendiges Werk The Fairy Queen präsentiert sich in der Inszenierung der englischen Choreografin Jean Renshaw als lebendiges Gesamtkunstwerk, als Fest der Fantasie, der Musik, vor allem aber des Tanzes. Renshaws mittlerweile bekannter, skurril-makabrer, mitunter an Comics angelehnter Stil schlägt sich auch in der ebenfalls von ihr entworfenen Ausstattung nieder. Bewegung mischt sich mit starren Bauteilen wie Fensterrahmen, Türen, Boxen, Rampen. Es entstehen Bilder wie etwa jenes der anrückenden Schar von Gaffern, die sich ihr Fenster gleich selbst mitbringt. Dazu sparsame Flora und Fauna wie aus dem guten alten Ausschneidebogen und in Puppenspielermanier hin und her gezogen, geschoben, gehoben. Hinreißende Mottenkisten-Kostüme. Dem an Shakespeares Sommernachtstraum angelehnten, Puzzlehaften Stück kommt ein Konzept wie dieses entgegen. Die teilweise Umstellung der Abschnitte tut dem Zauber keinen Abbruch, zumal die Musik hier keine dramatische, sondern nur illustrierende Funktion hat, durch Tanz aber enorme Kraft gewinnt. Die Bilder werden lebendig, vervielfacht, die Gesangspartien scheinen weniger isoliert. Die durchschnittlichen bis guten Stimmen (etwa die wendige Lysianne Tremblay als Puck im Beckham-Fussballdress oder Debra Fernandes als Braut Daphne à la Elfie Eschke) setzen sich allerdings nicht immer durch gegen das forsche Orchester unter Nikolaus Netzer und die virtuosen Tanzleistungen des TLT-Tanztheaters mit parodistisch angelegtem klassischen Ballett, Pantomime und klarer Moderne. Da trippeln zunächst graue Dämchen mit schwarzen Täschchen durchs ebenfalls graue London ( Bühnenbild: Stadtplan). Nüchtern. Cool. Auch recht witzig. Abends werden die Tänzer zu Schlafstörern in und über und unter Bettchen vor Blümchentapeten und entführen die Leute von Heute in Shakespeare/Purcells Zauberwald, wo das Spektakel beginnen darf... Insgesamt ein wunderbarer Theaterwurf, poetisch, intelligent, opulent. |
Andrea Hein |
Online am: 14.03.2006, © www.tanz.at |