Alle Wolferl singen. Manche tanzen auch

Der Choreograf Sebastian Prantl verwandelt ein Kellergewölbe in einen behaglichen Unterhaltungsraum

Spazio divertimento, Palais Coburg , 09.03.2006.

Nicht nur W. A. Mozarts Jubiläum, sondern wohl auch die alte Theaterweisheit von der herzerwärmenden Wirkung geschnäuzter Kinder auf der Bühne, mögen Sebastian Prantl zu seiner Kreation „Spazio divertimento“ inspiriert haben. Der oft mehr dem Pathos als der Leichtigkeit des Seins zuneigende Tänzer und Choreograf nimmts dem Amedé zuliebe diesmal locker und lädt 20 Buben in Matrosenanzügen als Mitspieler in die Kasematten (Pferdeställe und Pulverlager aus dem 16. Jahrhundert unter der ehemaligen Bastei) des Luxushotels Palais Coburg ein. Die Sängerknaben. Alle dürfen sie singen und die wunderbare Akustik im schier endlosen Gewölbe nutzen, einige dürfen auch mittanzen und vor allem die Gleitfreundlichkeit des Kalksteinbodens ausprobieren: Anlauf nehmen und schlittern, rutschen, gleiten. Ein großartiger Spaß für die Buben. Leichte Kost für das Publikum. Rennen muss auch Sebastian Prantl immer wieder. Mit körperlicher Präsenz und energischer Beweglichkeit schafft es der Tänzer mühelos, den Raum zu erobern und den langen Weg von einem Klavier (Cecilia Li bespielt es mit Mozart) zum anderen (Gerald Wirth, künstlerischer Leiter der Wiener Sängerknaben, gibt dem Chor den Ton an) zu bewältigen.
Den spielerischen Charakter der Performance akzentuieren viele bunte teils gefiederte Bälle, die über den Köpfen der rutschenden, rollenden, kreiselnden und den Raum durchmessenden Mitwirkenden schweben und ihren eigenen, recht eigenwilligen Tanz vollführen. Als Kontrapunkt, manchmal auch Spiegelbild, zum schwarz gekleideten Solisten agiert das bunt kostümierte Paar (Monika Caunerovà, Manuel Wagner), solo und im Pas de deux, mit Kindern und ohne.
Im „Spazio divertimento – Unterhaltungsraum“ wird nach Lust und Laune improvisiert, ein kleines Mädchen zum Tanz geladen und sogar ein schon sehr ausgewachsenes über die Schulter gelegt und ins heitere Spiel integriert. Nur der Platzanweiser mit seinem Klemmbrett, vom Haus als Aufpasser entsandt, lässt keinen Frohsinn erkennen. Die angenehme Leichtigkeit von Sang und Tanz kann ihn nicht rühren. Vielleicht beim nächsten Mal, quasi einer Fortsetzung, am 16. März, 19.30 Uhr auf der Coburgbastei 4. Achtung: Der Spaß kostet 45 Euro.

Ditta Rudle

Online am: 14.03.2006, © www.tanz.at