Frühlingsluft aus Spanien |
Die Compañia Nacional de Danza 2 aus Madrid zu Gast im Festspielhaus St. Pölten |
Compañia Nacional de Danza 2, Festspielhaus St. Pölten, 11.03.2006. |
1990 wurde Nacho Duato vom Nederlands Dans Theater nach Madrid geholt, um der Compañia Nacional de Danza neues Profil zu verleihen, neun Jahre später rief er die Compañia Nacional de Danza 2 ins Leben und holte junge angehende Berufstänzer ans Theater, um ihre Ausbildung mit möglichst früher Bühnenerfahrung zu verbinden. Dreizehn TänzerInnen dieser Next Generation des spanischen Nationalballetts gastierten für einen mitreißenden Abend lang im Festspielhaus St. Pölten und zeigten ein Programm in drei Teilen zwei Choreografien Duatos aus den neunziger Jahren, eine von Tony Fabre, der Nummer zwei der Compagnie in künstlerischen Belangen. Drei gleich lange Stücke, die eine gemeinsame Handschrift tragen, und dennoch völlig verschiedene Sprachen sprechen - jene der bestechenden Bilder, der atemberaubenden Bewegung oder der exotischen Erzählung. In Alone, for a Second (Musik: Erik Satie) führt ein kurzer Tagtraum die Protagonistin in eine verspielte Welt der Feen und Zauberei. Duato unterstreicht darin seinen Anspruch als ganzheitlicher Bühnenkünstler, der seine Tänzer in eine reduzierte wie poetische Bildersprache fügt, mit Licht- und Schattenspielen an die Anfänge des Kinos anspielt und mit Schwarz-/Weißeffekten die Ebenen zwischen Phantasie und Wirklichkeit sichtbar macht. Auf den harten Boden der Realität kehrt er in Rassemblement, dem Schlusspunkt des Abends, zurück, das begleitet von der Musik von Toto Bissainthes von den Lebensbedingungen und Sklaverei in Haiti und der Sehnsucht nach Freiheit und Heimat erzählt. Dazwischen eine temporeiche Variation über die Leichtigkeit: Violon dIngres ist der Titel der erst im Vorjahr uraufgeführten Choreografie von Tony Fabre, der seinen Interpretationen zur Klangvielfalt der Saite Streichmusik von Bach bis Saint-Saëns zugrunde gelegt hat. Zu Beginn sind die Tänzer wie ein Knäuel ineinander verwoben, aus dem sie sich durch Ziehen und Wiegen langsam wie einzelne Saiten auseinander lösen und dann in einer virtuosen Abfolge von tänzerischen Fragmenten jedes Zupfen oder Vibrieren der Saite, der wogende Fluss ebenso wie das abrupte Staccato der Violinmusik in der Bewegung der Tänzer sichtbar wird. So erfrischend und originell, so keck und lustvoll getanzt, wie man es von einem jungen Ensemble, das sich sichtbar in guten Händen weiß, nur erwarten kann. |
Karin Schiefer |
Online am: 14.03.2006, © www.tanz.at |