Zauberhafte Hexen |
Compagnie Smafu mit Verhext und zugenäht und Maskénada mit Tock Tock! beim internationalen Festival für ein junges Publikum |
Verhext und zugenäht / Tock Tock, Dschungel Wien, 03.03.2006. |
Hexen sind Powerfrauen, aber nicht ohne Mitgefühl; Hexen ist
lustvoll und nicht ohne Wirkung. Als zauberhafte Hexen outen sich Julia
Hechenblaikner und Compagniechefin Elisabeth Orlowsky in der Produktion Verhext
und zugenäht. Mit schwungvoller Fröhlichkeit und angemessener
Bosheit kochen sie im Wald ihr Süppchen, ohne verbissen zu übertreiben,
auch wenn sie nicht immer einer Meinung sind. Beobachtet und gestört
bei ihrem geheimen Treiben werden die beiden von zwei Kindern (Andrea Nagl,
Dominik Grünbühel), die ein Blitz aus dem öden Wohnzimmer
in den Wald verschlagen hat. Doch wie gesagt, diese Hexen haben ein Herz
für verirrte Kinder und stecken sie schließlich doch nicht in
den dampfenden Kochtopf sondern lehren sie ein wenig Magie. Bei aller Zauberei
siegt dann doch die Realität. Wieder auf der Couch im Wohnzimmer, wissen
die Geschwister nicht mehr, ob sie geträumt haben oder tatsächlich
ein spannendes Abenteuer erlebt haben.
Die Wiener Compagnie Smafu, 1995 von Elisabeth Orlowsky gegründet, beweist immer wieder, dass Tanz für junge Leute (Stücke für Kinder sind genauso im Repertoire wie für Jugendliche) weder kindisch noch schlampig gearbeitet sein muss. Verhext und zugenäht besticht in der Regie von Hubertus Zorell nicht nur durch ein reiches exakt ausgeführtes Bewegungsvokabular und eine spannende Handlung mit liebevoll ausgearbeiteten Details, sondern auch durch den sinnvollen Einsatz technischer Mittel. Zaubereffekte und großflächige Projektionen erzeugen tastsächlich eine magische Stimmung, die durch das schwungvolle Rollenspiel der Mitwirkenden Julia Hechenblaikners Energie und Humor müssen besonders erwähnt werden zauberhaft kontrapunktiert werden. Wie in der Vorstellung zu sehen und zu spüren war, amüsierten sich die Teenager ebenso, wie sich die Volksschulkinder mitreißen ließen. Die Allerkleinsten lud die luxemburgische Truppe Maskénada in einen kunstvoll aus Sperrholz gebauten Bühnenraum. Kästen und Kisten, Laden und Türme geben einer Tänzerin die Möglichkeit zu verschwinden und wieder aufzutauchen, zu hüpfen, zu kriechen und auch kurz ein Schläfchen zu halten. Die Tänzerin Annick Pütz hat sich die Choreografie Tock Tock! selbst ausgedacht und wohl die meiste Freude am abwechslungsreichen Bewegungsspiel. Dabei hat sie auf Musik nahezu gänzlich verzichtet, sondern sich auf Klopfgeräusche und verschiedene Rhythmen verlassen. Eine gute halbe Stunde konnte sie die Winzlinge im Kindergartenalter oder darunter aber nicht bei der Stange halten. Zu abstrakt und auch zusammenhanglos waren die einzelnen Szenen, wobei die Kinder immer dann gefesselt waren, wenn es etwas zu Lachen oder zum Mitdenken gab. Als Annick mit einer verborgenen Plastikflasche knisterte, versetze das Aha-Erlebnis, als die Flasche zum Vorschein kam, sämtliche Zwerge in helle Aufregung. Am schönsten jedoch war für alle die anschließende Spielstunde. Die Bühne wurde zum Abenteuerspielplatz und die besorgten Mütter und Väter waren für eine Weile vergessen. Mit den beiden Produktionen, dem Gastspiel Tock Tock! und der heimischen Performance Verhext und zugenäht, hat das 9. internationale Tanzfestival szene bunte wähne einen Abschluss gefunden, der, nimmt man alles in allem, dem hohen Niveau durchaus gerecht geworden ist.
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Ditta Rudle |
Online am: 06.03.2006, © www.tanz.at |