Viele Vokabeln und einige Schautaferln

x.Ida beim Internationalen Festival für ein junges Publikum im WUK

Het Plein / What are you doing, WUK, 28.02.2006.

x.Ida, die postgraduale Kompanie aus Linz ist wohl symptomatisch für den Gegenwartstanz: Die Tänzer und Tänzerinnen werden immer besser, aber es fehlt an stringenten Choreografien, die diese Fähigkeiten ins rechte Licht rücken.
So besticht das Eröffnungsstück „Het Plein“ (Der Platz) des belgischen Choreografen Filip Van Huffel zwar mit einer Fülle von Bewegungsideen und choreografischen Einfällen, aber es bleibt bei einzelnen Szenen, wie Perlen auf einer Schnur aneinandergereiht oder wie Vokabeln, aus denen kein Satz wird. Und so verpufft das an sich sehr gute choreografische Material im Nichts.
Um Choreografie muss man sich beim zweiten Stück „What are you doing?“ von Oleg Soulimenko gar nicht kümmern. Ihm genügt es, die sechs Tänzerinnen den Pop-Song „I wanna get married“ singen zu lassen und anschließend mit beschriebenen Tafeln vor das Publikum zu stellen. Das gesittete (erwachsene) Publikum in der 11-Uhr-Vorstellung ließ es ruhig über sich ergehen (eine Schulklasse hatte angeblich kurzfristig abgesagt). Eine Gruppe Jugendlicher hätte sich wohl Kommentare auf die geschriebenen Meldungen über die Größe des Busens, den Vergleich mit Hühnern oder die Farbe einer Hundezunge nicht verkniffen.
Resumé: wunderbare junge Tänzerinnen, aber kein Content, um ein junges Publikum für den Tanz zu gewinnen. Junge Darstellerinnen machen noch kein Jugendprogramm.

Edith M. Wolf Perez

Online am: 28.02.2006, © www.tanz.at