Trash ohne Bodenhaftung

Constanze Macras / Dorky Park gastierten zum zweiten Mal im Wiener Schauspielhaus

MIR – A Love Story, Schauspielhaus Wien, 15.02.2006.

Fortsetzungen sind tückisch. Was im letzten Jahr dank seiner überbordenden Frische in Wiens zeitgenössischer Tanztristesse einschlug wie der berühmte Blitz, stieß heuer eher ernüchternd auf: Constanze Macras’ Gastspiel im Schauspielhaus Wien.
Trash-Theater in einer Art von Musicalform ist das Markenzeichen der argentinischen Choreografin / Regisseurin Constanze Macras, die zur Zeit erfolgreich in Berlin werkt. In der in Wien gezeigten Aufführung „MIR – A Love Story“ geht es um das Thema Liebe. Drei ältere Frauen (offenbar Stepptanz-Begeisterte) erzählen von ihren Liebesbeziehungen und die jungen Akteure stellen Popsong-Beziehungskisten in einer aggressiveren Version vor.
Die Machart ist grundsätzlich gleich wie bei der Produktion „Big in Bombay“, die im letzten Jahr in Wien zu sehen war. Da wird mit Tanz, Gesang, Video, Text und Artistik bunt gewürfelt und chaotisch assoziiert. Doch während sich Macras in „Big in Bombay“ an der Struktur der Bollywood-Filme orientiert, driftet sie in „MIR – A Love Story“ ziellos herum und findet die Bodenhaftung nicht. Das Ausgangsthema, die russische Raumstation, ist in der Bearbeitung der Produktion aus dem Jahr 2002 verloren gegangen und damit offensichtlich auch der Fokus. Ein solcher wäre vielleicht durch die realen (?) Lebensgeschichten der Frauen gegeben gewesen, aber auch ihre Erzählungen wurden durch allerlei Aktionen überlagert und verdrängt.
Bei aller Action fehlen Momente der Reflexion – und das scheint ein großes Manko bei Macras zu sein. Der Level an Hysterie und Geschäftigkeit beginnt auf die Dauer zu langweilen.
Selten sind junge ChoreografInnen bei der Neubearbeitung ihrer älteren Stücke erfolgreich. Das ist weiters nicht verwunderlich, entsteht doch die zeitgenössische Choreografie meist aus einer sehr persönlichen Befindlichkeit. Und die ändert sich bekanntlich sehr schnell.
Bleibt also zu hoffen, dass das Schauspielhaus „den spannenden Dialog mit der jungen Choreografin“ (Programmheft) mit den aktuellen Produktionen weiterführt.

Edith M. Wolf Perez

Online am: 16.02.2006, © www.tanz.at