Im Sinne von John Cranko

Der Deutsche Tanzpreis 2006 sowie die drei Deutschen Tanzpreise „Zukunft“ gingen alle nach Stuttgart

Deutscher Tanzpreis 2006, Aalto Theater Essen, 11.02.2006.

Jedes Jahr im Februar zieht die Verleihung des Deutschen Tanzpreises das Who is Who der Ballettwelt nach Essen. Es hat etwas von einem Familienfest, auf dem man Jahr für Jahr alte Bekannte und Freunde trifft und sich austauscht. Dem Deutschen Berufsverband für Tanzpädagogik – personifiziert durch seinen Vorsitzenden Ulrich Roehm - ist es mit diesem Preis gelungen, die Tanzwelt für einen Abend in Freundschaft zu versammeln. Die Preisverleihung ist einfach immer ein schönes Fest und war in diesem Jahr durch die sehr persönliche Dankesrede des mit dem heurigen Tanzpreise geehrten Reid Anderson, Intendant des Stuttgarter Balletts, besonders berührend.

Als schwebte der Geist John Crankos im Aalto Theater, und er muss wohlwollend zugesehen haben, wie seine Nachfolger sein Stuttgarter Ballettwunder weiterführen. Die mit dem Deutschen Tanzpreis „Zukunft“ ausgezeichneten jungen Tänzer Alicia Amatriain und Jason Reilly und das humoristische Duo des Hauschoreografen Christian Spuck müssen
gefallen haben und er muss beglückt gewesen sein, dass die Stiftung seiner ehemaligen Primaballerina Birgit Keil diesen Preis großzügig zur Verfügung stellt – wie so viele andere Initiativen, die diese Stiftung für die tänzerische Nachwuchsförderung in Deutschland setzt. Er muss von der Laudatio „seiner Entdeckung“ Marcia Haydée, der ehemaligen Primaballerina und seiner Nachfolgerin als Ballettdirektorin ebenso berührt gewesen sein wie von Reid Andersons Dankesrede.

Sicher ist es das Stuttgarter Ballett, das als erstes Ballettensemble Deutschlands auch die Aufmerksamkeit von Vertretern aus Politik und Wirtschaft auf sich zog und die nun die großen Ballettevents mit Aufmerksamkeit und Interesse verfolgen. Mit Erstaunen registriert der/die Besucher/in aus Österreich die geballte Anwesenheit der politischen und wirtschaftlichen Elite bei der Deutschen Tanzpreisverleihung. Die Laudatio für den Zukunftspreis – übrigens seine dritte in der 23jährigen Geschichte des Tanzpreises - hielt etwa Lothar Spät, der ehemalige Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg. Im Publikum saß etwa der Erste Vorsitzende des Bundestages Norbert Lammert, der auch in Diskussionen immer wieder als sachkundiger Redner auftritt.

Im künstlerischen Programm gab es mit Christian Spucks oben erwähnten „Grand Pas de Deux“ einen humoristischen Einstieg, danach tanzten Alicia Amatriain und Jason Reilly „Mona Lisa“ von Itzik Galili. Mit der Aufführung von Uwe Scholz’ „Siebte Sinfonie“ erinnerte das Ensemble eines weiteren großen Sohnes des Stuttgarter Balletts.

Foto: Alicia Amatriain und Jason Reilly, © Ursula Kaufmann

Edith M. Wolf Perez

Online am: 14.02.2006, © www.tanz.at