Wohlbehagen mit Mozart

Fazil Say und die Tanz Company Gervasi von Mozart inspiriert

Mozart – two – 6, Tanzquartier Wien, 01.02.2006.

Fazil Say, der international gefeierte türkische Pianist, hat im Auftrag von Wiener Mozartjahr 2006 ein Quartett für Klavier, Sopran, Ney, die arabische Flöte, und Percussion komponiert, spielt überdies danach Variationen zu Mozarts Sonate KV 331 (mit dem berühmten Marsch Alla turca).
Elio Gervasi hat für das Mozartjahr einen Tanzabend choreografiert. So weit, so sehr nett.
Der Virtuose Fazil Say spielt selbstsicher, voll Lebensfreude und Frische; Alla Turca klingt beglückend neu und gar nicht abgedroschen. Der Komponist Fazil Say will nicht stören, Ney (Celalettin Bigel) und Sopranstimme (Burcu Soysev) schmeicheln sich in den Gehörgang. Wohlbehagen macht sich breit, das auch die TänzerInnen nicht hemmen wollen. Karl Schreiner und Leonie Wahl umkreisen einander mit zärtlichen Gebärden und danach entzückt Wahl mit einem Solo, ganz Adagio, aggressionsfrei, beruhigend. Schön. Der Tanz kreuzt die Musik nicht, die Musik will den Tanz nicht behelligen.
Im zweiten Teil, zu den Mozart-Variationen, sind die Männer an der Reihe (Alberto Franceschini, Alexander Gottfarb, Radek Hewelt, Schreiner). Auch schön, mit verhaltenem Witz und fröhlichem Geschüttel. Lauter kleine Mozarte. Ein wenig erinnert die Atmosphäre an Milos Forman, Amadeus schaut runter. Daneben schlägt Fazil Say die Tasten. Soll man die Augen schließen und dem „Klavierwunder des 21. Jahrhunderts“ (Kritikerlob) zuhören? Oder sich doch auf die geschmeidigen Körper konzentrieren? Beides zugleich geht nicht. Irgendwie bleibt dann die Choreografie auf der Strecke, sie ist zu freundlich, zu lieblich, tritt mit der Musik kaum in Kontakt, sagt nicht viel, stört nicht sehr. Elio Gervasi ist nett zu uns. Zu Mozart, zu den TänzerInnen, zum Publikum. Das ist angenehm und ordentlich. Nicht außerordentlich. Nicht aufregend.
Ein Fachmann raunzt am Ende, nachdem die lebhaften Mozarte samt vier Mozartinnen (Tae Hee Kim, Esther Koller, Anna Maria Nowak, Wahl) brav in Reih und Glied getreten sind, um eine Menge junger Männer und Frauen auf die Bühne strömen zu lassen, ziemlich böse sagt da der Fachmann: „Warum haben sie nicht Café del Mar dazu gespielt, das wäre passender gewesen.“ Was die Menge zu bedeuten hatte, wusste er nicht. Ich denke mir: Mozart sind wir alle. passt doch?
Wir haben ein Konzert gehört und schöne, fließende Bewegungen (vor allem der Arme und Handgelenke) gesehen. Die von Silvia Kargl initiierte Zusammenarbeit des internationalen renommierten Virtuosen mit dem heimischen Choreografen wird auf jeden Fall in die Annalen eingehen, denn wann kommt das schon vor, dass ein bedeutender Pianist sich TänzerInnen als Begleiter zur Verfügung stellt. In der Staatsoper niemals – da sitzen immer die Substituten im Graben. Die vom Intendanten des Wiener Mozartjahr 2006, Peter Marboe, als Grundanliegen formulierte Frage einer Achtjährigen: „Und wo ist Mozart jetzt?“ blieb auch an diesem Abend unbeantwortet.

Ditta Rudle

Online am: 03.02.2006, © www.tanz.at