Der Ballettkörper

„The Company“, Kinofilm von Robert Altman, Kinostart in Wien am 16. 7. 2004

The Company, Apollo, 13.07.2004.

Eine Saison lang begleitete der Regisseur Robert Altman („Short Cuts“, „Eine Hochzeit“) die TänzerInnen des Joffrey Balletts, Chicago mit der Kamera. Daraus ist zwar kein richtiger Spielfilm entstanden, aber eine Hommage an das Ballett und alle, die damit verbunden sind allemal.
Mit der trainierten Tänzerin (Ausbildung beim kanadischen Nationalballett) und Schauspielerin Neve Campbell als Hauptdarstellerin spinnt Altman immerhin einen losen roten Faden, doch reißt dieser immer wieder ab, wird nur in kleinen Stückchen sichtbar und kann jene kaum vor der Leinwand halten, für die das Schweben und Gleiten, das Fliegen und Drehen nicht höchster Genuss ist. Campbell hat übrigens die Idee zum Film gehabt und auch am Drehbuch mitgeschrieben. Keine Überraschung also, dass sie die nach der Krone der Prima Ballerina greifende Jungtänzerin mimt. Deren große Chance kommt, als der älteren Kollegin die Achillessehne reißt und damit wenigstens ein Schimmer von Dramatik aufkommt, verletzt sich auch die ehrgeizige Ry (Campbell) im letzten Akt der Premiere der „Blauen Schlange“, einer Choreografie von Robert Desrosiers. Doch um Dramatik oder auch nur dramaturgischen Aufbau ist es dem 78 jährigen Altman sicher nicht gegangen. Er wollte das geschlossene System eines Ballettensembles, die fremde Welt des Tanzes zeigen. Die Kamera ist bei den Proben dabei und zeigt ganze Aufführungen, schaut durchs Schlüsselloch bei Teambesprechungen und blickt auch bei den zahlreichen kleinen und großen Intrigen und Eifersüchteleien nicht weg. Neben Ry hat auch der künstlerische Leiter des Joffrey Balletts, Malcolm McDowell, eine durchgehende und deutlich charakterisierte Rolle. Er ist „Mister A“, Alberto Antonelli, der künstlerische Leiter der Truppe, autoritär, unberechenbar und zugleich vernarrt in seine „Kinder“.
Altman vermengt Dokumentarisches und Fiktion, so wie er unter die Tänzerinnen und Tänzer auch Schauspielerinnen und Schauspieler mischt. An der Handlung scheint er dennoch nicht sonderlich interessiert, mehr Aufmerksamkeit widmet er der Überwindung der Schwerkraft und der Bewegung der Körper im Raum. Dabei nimmt die Kamera oft Positionen ein, wie sie die ZuschauerInnen im Saal niemals erreichen können und löst die Geschwindigkeit der wirbelnden Körper und Beine so geschickt auf, das nicht nur das Gesamte sondern auch seine Teile zu sehen sind. Dazu trägt auch Altmans Genauigkeit bei. Viele Szenen werden von der ersten Probe an bis zur Vollendung auf der Bühne gezeigt. Interpretiert wird nichts, nicht die harte Arbeit und nicht das Privatleben der Truppe, das immer wieder in short cuts aufblitzt. Altman verzichtet auch auf Belehrung und Psychologie. Er lässt die TänzerInnen einfach agieren und vor allem tanzen. Tanzen bis zum Umfallen.

 

Wie's den GewinnerInnen gefallen hat>>>

Ditta Rudle

Online am: 14.07.2004, © www.tanz.at